Apr 09 2001
Rock’n'Roll
Song zum Tage von Chuck Berry.
Unverfrorene Mitteilung, um Verfrorene neidisch zu machen: Hier hat es heute 28° (Celsius - in Fahrenheit sind es sogar 82, was noch beeindruckender klingt!), und für heute nacht sind Wärmegewitter angesagt. Ätsch!
Jetzt aber zum Thema. Offenbar - auch wenn ich es schon lange nicht mehr wahrhaben will, gibt es doch noch den Unterschied zwischen Ossies und Wessies (wobei ich nicht einmal wüsste, ob das “ie” original oder ein von mir gerade eingeführter Anglizismus ist). Dieser Unterschied hat kaum noch mit dem Wohnsitz und auch nur bedingt mit Geburtsort und Sozialisation zu tun - was sollte das denn auch?. Ganz deutlich zeigt sich dieser Unterschied jedoch im Kleinen - bei der Auswahl und Gutheissung von Satire beispielsweise.
Wie ich darauf komme? Ich, alter, unkritischer Anhänger der Titanic (die man ja schon allein wegen ihres bemerkenswert unprofessionellen Web-Auftrittes ganz furchtbar knuddeln müsste…), bekam von an sich liebender Seite das aktuelle Exemplar des Eulenspiegel (juhu, noch mehr Unprofessionalität! Aber hier soll es ja um die Printausgaben gehen…) auf den Nachttisch gelegt. Zum Angucken und Gutfinden.
Kurz gefasst: Ich bin sprachlos.
<GEMECKER STYLE=”subjektiv”>Es ist schon sagenhaft, wie eine Mischung aus schwachbrüstigen Wortspielen, Witzblattcartoons vom Schlage Uli Steins, schlecht recherchierter Humor- und Medienkritik und dem (im Jahre 2001!) immer noch im Hintergrund schwebenden Geist des einzigen zugelassenen Satireblattes der DDR - irgendwie ein Widerspruch in sich, oder auch nicht - auch heute noch als Satireblatt durchgeht.</GEMECKER>
OK. Ist nicht Pflicht, die Titanic gut zu finden. Und irgendwie ist Satire ohnehin schwer greifbar seit den späten Tagen von “pardon” sel., als der Herausgeber ganz ernsthaft auf Transzendentale Meditation (zur Erinnerung: “yogische Flieger” bzw. Matratzenhopser!) abfuhr, ganze Ausgaben damit füllte und das gutwillige Publikum lange Zeit im Unklaren liess, ob das nun besonders perfide Satire war - oder doch nur das tragische Ende eines guten Blattes.
Gut, weiss wieder keiner, wovon WorldWideZausel (soll ich mir einen eisgrauen Bart wachsen lassen?) faselt. Aber ich bleibe dabei: Solange das gesamtdeutsche Humorverständnis noch zwei derart unterschiedliche, fast möchte ich sagen: diametrale (auch wenn das so gar nix bedeutet) Ausprägungen von gedruckter Satire zulässt, solange wächst auch nicht zusammen etc. etc.

