Okt 31 2006
FON Nazareth
OK, die Überschrift gewinnt den heutigen Großen Preis für unverständliche Anspielungen. Aber darum geht es jetzt gar nicht.
Schreibt mich doch gestern einer an und teilt mir mit, dass er sich jetzt bei FON angemeldet hat.
FON ist weltweit die größte WiFi (WLAN) Community. Unsere Mitglieder teilen ihren kabellosen Internetzugang zuhause und können dafür gratis über alle FON Access Points kabellos surfen, weltweit.
Community ist ja nun schon mal sehr gut aus der Sicht des idealistischen Netzbürgers, also habe ich mir die Sache, auch unter dem Aspekt anderer drahtloser Alternativen zum DSL-Anschluss zum Netz etwas näher angeguckt. Interessant ist FON in mehrerlei Hinsicht:
- Es macht eine an sich illegale Tätigkeit (das Mitbenutzen wildfremder WLANs) dadurch legal, dass der Inhaber des WLANs seine Zustimmung zur Mitbenutzung öffentlich machen - über die FON-Seiten nämlich.
- Es demokratisiert den schnellen Zugang zum Netz - wenn wir “demokratisieren” mal ganz locker auslegen als “wir verschaffen denen High-Speed-Zugang, die sich einen ausgewachsenen DSL-Anschluss nicht leisten können. Oder wollen.”
- Es nutzt die Breitbandanschlüsse, die von anderen Anbietern, den üblichen Verdächtigen T-Online, Arcor, Versatel & Co. nämlich, zur Verfügung gestellt werden, braucht so also keine eigene Breitband-Infrastruktur - und bringt die Kalkulationen dieser anderen Anbieter durcheinander, weil plötzlich erheblicher zusätzlicher Traffic pro Anschluß entstehen kann, ohne dass dieser auch zusätzlich bezahlt wird.
Und mit dem letzten Punkt wird die Sache interessant: Manche Anbieter, wie der meines oben erwähnten Mailschreibers, erlauben die Nutzung des Anschlusses durch mehrere Rechner, andere, wie meiner beispielsweise, erlauben das eher nicht. Ist nun mit den “mehreren Rechnern” eine Beschränkung auf eine Wohnung/einen Haushalt impliziert, oder können sich diese Rechner auch auf viele Wohnungen in einem ganzen Häuserblock (ich weiß nicht, wie weit der FON-Router trägt) erstrecken? Und ist es wirklich klug, den eigenen DSl-Anbieter zu fragen, wie er das gemeint hat, und ihn so darauf zu bringen, dass man die DSL-Kosten wieder hereinholen und womöglich noch ein paar Cent mit der Leitung verdienen will?
Ich verkneife mir FON. Nicht, weil mir mein Anbieter das explizit verbietet (doch, natürlich deswegen, und nur deswegen), sondern weil ein FON-Router in meiner kuscheligen Ecke von Prenzlauer Berg nur die eigene Wohnung plus ein paar Büros in der Nachbarschaft versorgen würde. Und die sollen selbst sehen, wie sie ins Netz kommen haben schon DSL.
2 Kommentare zu “FON Nazareth”








FON hat ein ganz anderes problem. wenn sich jemand deinen FON-router anmeldet und anschliessend irgendwelchen mist im internet macht (hackversuche, filesharing, etc.), dann steht die polizei erstmal bei dir auf der matte - im ungünstigsten fall gleich mit einem durchsuchungsbefehl und die eigene IT-ausstattung ist dann erstmal weg.
schön wäre es, wenn FON der zugang über ein VPN schleusen und die user dann mit einer FON-IP weiterschicken würde. dadurch müsste FON noch immer keine eigenen access-points betreiben. allerdings im gegenzug den gesamten traffic tragen, was man aber ja nicht will.
aber solange man als anschlussbesitzer erstmal der dumme für das fehlverhalten anderer FON-user bleibt, wird sich FON wohl nicht wirklich durchsetzen.
Der Einwand ist berechtigt - bis zu einem gewissen Grad. Denn so, wie ich die Sache verstanden habe, ist FON kein Netzwerk von anonymen Hottschpotts; wer sich über den (oder das? Oder die?) FON eines anderen einloggen will, muss dem FON-Netzwerk bekannt sein, entweder als Besitzer eines eigenen FON (womit Adresse und Kontodaten bekannt sind, weil der FON-Router irgendwohin geschickt und von sort aus bezahlt werden muss) oder als zahlender FON-Kunde (womit zumindest ein PayPal-Account bekannt ist).
Das interessiert die uniformierten Herren mit dem Durchsuchungsbefehl erst einmal wenig; letztendlich muss sich aber durch FON nachweisen lassen, wer zu welcher Zeit einen gegebenen FON-Router genutzt hat.
Wie immer mit community based Dingen ist auch hier eine Menge Vertrauen vonnöten, und Vertrauen kann getäuscht werden. Wenn ich aber wirklich Illegales vorhätte, würde ich es auch in Zukunft mit einem ganz normalen ungesicherten WLAN versuchen.