Archiv für Dezember 2006

Dez 26 2006

Zwischen den Zeiten, zwischen den Seiten

Abgelegt von Konstantin Klein um 13:32 unter Net Life

Seit mehr als sechs Jahren findet an dieser Stelle, unter wechselnden Überschriften und an wechselnden URLs, Weblogging statt. Damals, vor sechs Jahren, wusste ich noch gar nicht, dass es ein Weblog ist, das ich da betreibe; als ich es dann, ein/zwei Monate später, wusste, gehörte ich zu einer geschätzten Hundertschaft, die sich in Deutschland das Web auf eine neue Art zunutze machten. Man begrüßte sich und wurde begrüßt, man gab sich Tipps, tauschte sich über Software und Design aus und war meistens unter sich. “Die anderen”, das waren die, die ein Tagebuch im Netz schrieben, und die ganz anderen hielten AOL für einen Internet-Provider.

Fünf Jahre und einige tausend Einträge später wurde ich ein wenig unruhig. Alle bloggten, gut, und nahmen damit an der publizistischen Revolution teil. Alle waren vernetzt mit Trackbacks und freuten sich über Postings, die dreißig, vierzig oder noch mehr Kommentare hervorriefen. Na und? Die gerade erwähnte Revolution war angestoßen, das schon, aber das Ergebnis war doch meist, von immer noch sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, ein - Tagebuch. ‘tschuldigung, aber es ist so.

Damals machte ich mich auf die Suche nach Alternativen, spielte eine Zeitlang mit liquidtext, bis auch das wieder einschlief. Und ich betrieb weiter ein Weblog, unter dem alten Namen WorldWideKlein, inzwischen hier, an dieser Stelle. Es war zur Gewohnheit geworden.

Nach langem Nachdenken habe ich aber eins erkannt:

Wer nach Alternativen zum Weblog oder anderen Formen des grassroot journalism sucht, kann kein Weblog nebenher betreiben. Es kostet zuviel Zeit, verführt dazu, in den bewährten und inzwischen etwas ausgelatschten Bahnen zu denken und zu schreiben, stellt keine Herausforderung mehr dar und ist somit nichts als eine Sache der Bequemlichkeit.

Deswegen ist jetzt Schluss. Es ist keine kreative Pause, es ist keine Atempause vor der nächsten Runde Blog 1.0, es ist Schluss. Die URLs der Postings der letzten Monate bleiben zur Abwechslung permanent (ein Vorteil von statischen Seiten), die Kommentarfunktion ist abgeschaltet, vielen Dank fürs treue Mitlesen, das wars.

Doch, es wird sich wieder was tun an dieser Stelle im Netz, bald sogar. Die Suche nach neuen Formen beginnt erst, und sie wird auch unter der Domain bluelectric.de stattfinden. Nutzer von Feedreadern aller Art können deshalb die Adresse des bluelectric-Feeds in ihrer Liste behalten und werden an gleicher Stelle informiert, wenn sich hier etwas tut. Bluelectric II wird kein fertiges Produkt sein, es wird ein Experiment sein, es wird hoffentlich ein interessanter Ort zum Vorbeigucken sein, aber eins wird es nicht sein: ein Weblog.

Bis die Tage!

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Dez 25 2006

Turkey!

Abgelegt von Konstantin Klein um 20:33 unter Sad and Beautiful

Turkey! on Flickr

Kein schöner Anblick für Vegetarier: Nach viereinhalb Stunden kam er aus dem Backrohr, in all seiner Herrlichkeit und genug für die Hauptmahlzeiten der nächsten drei Tage. Alle Esser liegen in glückseliger Apathie - puhah! Merry Christmas everyone!

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Dez 24 2006

Das Wort zum Festtag

Kommet ihr Hirten etc.

Von Bagdad über den Gaza-Streifen bis hin zu den Wohnungen der zahllosen Familien, in denen es nur noch knirscht und kracht: Ein Fest des Friedens werden die nächsten Tage für viele Menschen nicht - für viel zu viele. Trotzdem oder gerade deshalb von dieser Stelle aus:

Frohe Weihnacht, und vielleicht wird das kommende Jahr ja doch etwas friedlicher als die letzten!

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Dez 19 2006

Hart, aber ungerecht

Abgelegt von Konstantin Klein um 19:35 unter Reality Check

Zehn Jahre Knast für Oralsex zwischen 17jährigem und 15jähriger. Ich weiß schon, warum ich Südstaaten aller Art prinzipiell misstraue. Auch wenn ich in einem geboren und aufgewachsen bin und in einem anderen acht Jahre freiwillig und gerne zu Hause war.

Erst ein Kommentar

Dez 18 2006

Mann des Jahres…

Abgelegt von Konstantin Klein um 13:29 unter Net Life

…Frau des Jahres, Kind des Jahres: Wir alle, die wir das Web in der einen oder anderen Art, lesen, schreibend oder sonstwie nutzend, sind die Menschen des Jahres 2006.

…for seizing the reins of the global media, for founding and framing the new digital democracy, for working for nothing and beating the pros at their own game, TIME’s Person of the Year for 2006 is you.

Was folgt, ist eine Begründung mit Blick auf die Realität, auf die fürchterlichen Erscheinungen im Netz, die vom raschen Tod der Rechtschreibung (nicht nur in unserer überregulierten Sprache!) bis zum blanken Hass reicht. All dies, so die TIME-Redaktion, gehört dazu zu diesem einmaligen sozialen Experiment, das - Kommerz hin, Unterirdismus her - die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts prägen kann und wird.

Und irgendwie freut es einen dann doch.

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Dez 13 2006

Houpsigk

Abgelegt von Konstantin Klein um 15:08 unter Net Life

Wikkipedija, das Nokixel für Sprecher der Ripuarischen Sprachen:

Ripuarisch - auch Ripwarisch oder Nordmittelfränkisch - ist eine kontinentalwestgermanische Dialektgruppe. Es ist eine der drei großen Rheinisch genannten Sprachgruppen, unter denen es räumlich und im Dialektkontinuum des Rheinlandes eine Mittelstellung einnimmt zwischen dem zum Niederdeutschen gezählten niederrheinischen und dem moselfränkischen Sprachraum, welcher wie die ripuarischen Dialekte der westmitteldeutschen Sprachengruppe zugerechnet wird.

Nordmittelfränkisch - alaaf!

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Dez 11 2006

Alte Hardware

Abgelegt von Konstantin Klein um 10:36 unter Tech Nation

Eine Zeitungsschlagzeile wie “Mehr Fragen als Antworten durch Computer” reisst uns nicht gerade vom Hocker, ist uns (ja, auch uns Halbfachleuten) dieses Phänomen seit der Zeit von Windows 3.0 doch wohl vertraut. Interessant wird es erst, wenn man den dazugehörigen Artikel der Washington Post liest und merkt, dass es um einenComputer aus der Vor-Windows-Zeit geht - genauer: 2000 Jahre vor Windows. Der Antikythera-Mechanismus ist der älteste bekannte analoge Rechner.

Und ich sehe gerade, dass die Geschichte letzte Woche schon durch die Mädchen ging. Na gut, hab ich es eben erst eine Woche später mitbekommen - und was ist schon eine Woche im Angesicht von 2000 Jahren?

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Dez 11 2006

Finale Worte, mehr oder weniger

Abgelegt von Konstantin Klein um 09:56 unter Culture Vulture

Ehrlich gesagt: Mir war nie ganz klar, wie jemand mit dem an sich schon bescheuerten Namen Paris H. es immer wieder schafft, auf dieser Seite des Atlantik in den Schlagzeilen von B-Medien erwähnt zu werden. Da muss erst jemand von jenseits des Atlantik kommen und den hiesigen Paris H.-Fans zeigen, wo der Hammer hängt: So long, Paris.

You know that point in a Stephen King novel when you’ve sort of figured out that the creepy dollie — the one with the plastic hair and serenely stupid eyes that roll in two different directions — is actually an animate object wreaking havoc and destroying people and you wonder why the townspeople haven’t cottoned on and crushed the damn thing under a truck or something?

I think it’s safe to say we’ve reached that point with Paris Hilton.

So umfassend diese wenigen Sätze das Problem schon beschreiben, geht der Artikel doch noch eine ganze Reihe von Absätzen weiter - Absätze, die den Leser am Montagmorgen wieder mit der Welt versöhnen. Ein weiteres Beispiel dafür, dass es sich lohnt, für Inhalte (in diesem Falle von Salon) entweder zu bezahlen oder Werbung zu gucken.

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Dez 10 2006

Der Tod als Amtshandlung

Abgelegt von Konstantin Klein um 17:23 unter Reality Check

Einem Menschen beim Sterben zugucken kann im US-Bundesstaat Virginia jeder, der ein amtliches Führungszeugnis vorweisen kann, in Virginia ansässig ist und es fertig bringt, in mindestens drei Zeilen schriftlich darzulegen, warum er Zeuge einer Hinrichtung sein will. Über die Zeugen einer Hinrichtung berichtet die Lokalzeitung in ihrer Wochenendausgabe.

Virginia war fast acht Jahre lang meine Heimat - nicht nur der Staat, in dem ich wohnte, sondern das Land, in dem ich mich zuhause fühlte, dessen sanfte Landschaft ich auch heute noch oft vor mir sehe, über der sich ein unglaublich weiter Himmel spannt. In Virginia habe ich freundliche, offene Menschen kennengelernt, und wenn mein Leben nicht anders verlaufen wäre, lebte ich noch heute dort.

Virginia ist aber auch das Land mit den meisten Hinrichtungen nach Texas, ein Land voller vernagelter rednecks, die nur netterweise die Gegend mieden, in der ich zuhause war.

Die Todesstrafe, über die ich in meinem Korrespondentenjahren dort immer wieder berichten durfte und deshalb nachdenken musste, ist in Virginia ebensowenig unumstritten wie in den meisten anderen US-Staaten; es ist nur so, dass eine Mehrheit der Virginians sich dafür ausspricht, wenn sie gefragt wird. Was auch für europäische Gutmenschen nicht so überraschend sein sollte - entsprechende anonyme Umfragen in Deutschland haben schon ganz ähnliche Mehrheiten für den staatlichen Tod erbracht. Und wir sollten nicht vergessen, dass die Todesstrafe in Westdeutschland erst nach dem 2. Weltkrieg, in Westberlin (alliiertes Recht!) und in der gerade noch bestehenden DDR offiziell sogar erst 1990 abgeschafft wurde.

Die Todesstrafe ist in den USA ein Faktum, aber keines, das undiskutiert bleibt. Und damit kommen wir wieder zu dem oben verlinkten Bericht der Washington Post. Einige der dort porträtierten Freiwilligen haben sich nämlich zum Dienst in der Todeskammer (Virginias Gesetze lassen Hinrichtungen nur zu, wenn mindestens sechs Zeugen anwesend sind und den ordnungsgemäßen Ablauf bestätigen können) gemeldet, um sich selbst über Recht oder Unrecht einer solchen Strafe klarer zu werden. Was die Post-Reporterin Candace Rondeaux daraus gemacht hat, ist ein Stück genauer, einfühlsamer Beobachtung.

“That was the worst part,” Rosson said. “We all have to sit here waiting five minutes so the man can finish dying. You think of dying as something personal, and it was just a really horrible, public and invasive way to die. I would not want to see that again.”

No one in the witness room said a word as they stood to exit. The guard at the door thanked them for coming and bid them goodnight. One by one, the witnesses climbed back into the van.

Lektüre auch für Europäer.

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Dez 08 2006

Der Schuldige

Abgelegt von Konstantin Klein um 17:21 unter Tech Nation, Workload

Der Schuldige on Flickr

Das da oben war schuld daran, dass ich in den letzten Tagen ein wenig abwesend war. Aber jetzt sieht die Sache doch schon ganz ordentlich aus, und die Chancen auf die Rückkehr in den Alltag stehen gut.

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