Archiv für Juli 2007

Jul 30 2007

Sommerpause: Katzenklo, Nevada

Abgelegt von Konstantin Klein um 08:19 unter Sad and Beautiful

Im Fernsehen füllen sie die Sommerpause gerne mit Wiederholungen. Deshalb gibt es in den nächsten Wochen auch hier Wiederholungen - aus meiner Zeit als Korrespondent der Deutschen Welle in Washington, DC.

Aus der Fernsehwerbung wissen wir, welche Futtermarke Katzen am liebsten kaufen würden. Aus dem Westen der USA erfahren wir jetzt, welches Produkt sie für gegen- bzw. hinterteilige Bedürfnisse bevorzugen: Im Wüstenstaat Nevada fanden Geologen im Auftrag der Oil-Dri Corporation aus Chicago die ideale Katzenstreu: leichten, lockeren und vor allem saugfähigen Lehm. Der ist der Grund, warum jetzt im Norden der Stadt Reno ein riesiges Loch gebuddelt werden soll - der größte Katzenstreu-Tagebau der Menschheitsgeschichte.

Und schon gibt es Ärger. Denn die Millionen Tonnen künftiger Katzenklo-Füllung finden sich auf öffentlichem Land - und das darf nach der gültigen Gesetzgebung ausgebeutet werden, ohne daß die öffentliche Hand auch nur einen Cent sieht.

Schuld daran ist ein Präsident, dem der aktuelle Streit reichlich wurscht ist: Ulysses S. Grant verließ das Weiße Haus 1877 und diese Welt am 23. Juli 1885. Er wollte Siedler in den Wilden Westen locken; Gold und Silber sollten die Lockmittel sein. Der letzte echte Goldrausch ist Geschichte, selbst der letzte Dot-Com-Goldrausch ist längst einem virtuellen Kater gewichen - und da schließt sich der Kreis: denn das Gesetz des Präsidenten Grant ist immer noch in Kraft, und die Katzenstreubuddler aus Chicago sind fest entschlossen, es anzuwenden. Dumm nur, daß die Grube, sozusagen ein gigantisches Katzenklo, etwas zu nahe an einer indianischen Reservation liegt.

Continue Reading »

Comments Off

Jul 27 2007

Die Zukunft der Lokalzeitung

Abgelegt von Konstantin Klein um 11:22 unter Reality Check

Regelmäßige Leser dieser Seiten wissen: Mit “Lokalzeitung” bezeichne ich nicht irgendein Blättchen, sondern jene Zeitung, die mir von 1996 bis 2003 tatsächlich als Lokalzeitung gedient hat - die Washington Post. Und die steht im Mittelpunkt einer Fortune-Geschichte über die Zukunft der Presse: Can the Washington Post survive?

Anders als die Chefs vieler anderer Pressehäuser (keine Namen, bitte!) geht Donald Graham, Enkel der Verlegerdynastie Meyer/Graham konsequent den Weg Richtung neue Medien: die Post publiziert eine Boulevardausgabe, eine spanische Ausgabe, Bildungsratgeber, ein Newsportal im Netz (washingtonpost.com, was eben nicht die gedruckte Ausgabe ist), die eigene Zeitung im Netz (verwirrenderweise unter der gleichen Domain)… Und der Tagesablauf eines Post-Reporters liest sich anstrengend, aber auch aufregend:

Barry Svrluga, a 36-year-old baseball writer for The Washington Post, was on his way to the barber when an e-mail pinged his BlackBerry telling him that the Washington Nationals had sent two struggling pitchers to the minor leagues. Svrluga detoured to Starbucks, wrote a 572-word commentary on his laptop and posted it to his blog, Nationals Journal at washingtonpost.com. After his haircut he swung by the Post’s newsroom to do a live question-and-answer session online with fans. That night, after filing a story for the newspaper, which he calls the “$0.35 edition” in his blog, Svrluga recorded a ten-minute podcast for the Web site, with sound bites from team officials and players.

Fortune-Reporter Marc Gunther fasst die Geschichte schon in der Unterzeile zur Überschrift zusammen:

Newspapers are dying. At the Washington Post Co., CEO Donald Graham is banking on the Internet to save serious journalism. If he can’t figure this out, nobody can.

Pflichtlektüre im Grunde für alle Medienmenschen.

Technorati Tags: , , ,

Comments Off

Jul 26 2007

Rettet Thunderbird (oder so)!

Abgelegt von Konstantin Klein um 18:37 unter Net Life, Tech Nation

Offensichtlich halte nicht nur icke E-Mail für die wichtigste Anwendung im großen Internetz: In Mitchell’s Blog schreibt Mozilla-CEO Mitchell Baker (das muss man auch erst einmal hinkriegen: auf der eigenen Seite unter “About me” auf einen Wikipedia-Artikel verlinken können!) über die mögliche Zukunft oder auch Nicht-Zukunft von Thunderbird, dem Mail-Client der Mozilla Foundation.

Mozilla has been supporting Thunderbird as a product since the beginning of the Foundation. The result is a good, solid product that provides an open alternative for desktop mail. However, the Thunderbird effort is dwarfed by the enormous energy and community focused on the web, Firefox and the ecosystem around it. As a result, Mozilla doesn’t focus on Thunderbird as much as we do browsing and Firefox and we don’t expect this to change in the foreseeable future.

In other words, wie der amtierende Präsident der USA sagen würde: Thunderbird ist ein anständiger, aber wenig aufregender und noch weniger zukunftsträchtiger Mail-Client. Das ist übrigens auch einer der Gründe, weshalb ich Thunderbird bei der Arbeit, aber nicht zuhause nutze.

Die aus Bakers Fragestellung entstandene Diskussion (ebenfalls unter dem o.a. Link) ist hitzig, nicht immer sachlich und zeigt, dass rund um Thunderbird tatsächlich reichlich Fragen zu diskutieren sind.

Technorati Tags: , ,

5 Kommentare

Jul 25 2007

Selber groß!

Abgelegt von Konstantin Klein um 15:51 unter Net Life, Service Point

Weil wir ja alle flickr entthronen und unsere eigenen social networks bauen wollen, werde ich wohl nicht umhinkommen, in den kommenden Tagen mehr über 9 Ways to Build Your Own Social Network zu lesen.

…a horde of companies are doing their best to reduce the fundamental features of these websites to mere commodities. These up-and-coming companies provide so-called “white label? social networking platforms that enable their customers to build their own social networks (often from scratch) and to tailor those networks to a range of purposes.

In dem oben verlinkten Artikel werden neun derartige Provider näher beleuchtet, die ich mir bei Gelegenheit näher angucken werde - vor allem diejenigen von ihnen, die nur die Software zur Verfügung stellen und dem nach Unabhängigkeit Strebenden erlauben, ihr neues social network vom eigenen Server zu fahren. Denn wir wollen ja nicht schon wieder von anonymen Mächten abhängig sein, gelle?

(Via Techmeme.)

Technorati Tags: , ,

Comments Off

Jul 24 2007

Das Wort zum Dienstag

Abgelegt von Konstantin Klein um 03:49 unter Net Life, Reality Check

Salon.com-Autor Gary Kamiya darüber, warum auch Weblogs ein wenig redaktionelle Arbeit gebrauchen könnten:

“If learning how to be edited is a form of growing up, much of the blogosphere still seems to be in adolescence, loudly affirming its identity and raging against authority. But teenagers eventually realize that authority is not as tyrannical and unhip as they once thought. It’s edited prose, with its points sharpened by another, that will ultimately stand the test of time. There is a place for mayfly commentary, which buzzes about and dies in a day. But we don’t want to get to the point where the mayflies and mosquitoes are so thick that we can’t breathe or think.”

Das ganze Plädoyer für Qualitätsware im Netz stammt von einem, der lange Redakteur war, bevor er auf die produktive Seite des Schreibtisches wechselte. Als einer, der in den letzten 23 Jahren ebenfalls beide Seiten intensiv kennengelernt hat, sage ich: Lesen!

Technorati Tags: , ,

Comments Off

Jul 24 2007

Chip chip hurrah!

Abgelegt von Konstantin Klein um 01:13 unter Reality Check

'V-Day' von worldwideklein Lesestoff für den amtierenden WorldWideKater (links): The Associated Press berichtet über einige der ersten Menschen, denen ein ID-Chip unter die Haut gejagt wurde, damit sie quasi im Vorbeigehen von einem Kartenleser identifiziert werden können. Die beiden, um die es in der Geschichte geht, sind Mitarbeiter von CityWatcher.com, einer Firma, die Überwachungstechnologie (sprich: Kameras und alles, was dahinter steckt) herstellt und verkauft. Die Mitarbeiter mit dem Chip im Unterarm kommen jetzt ohne Ausweis oder langwierige Geheimzahleingabe in die, sagen wir: nicht-öffentlichen Bereiche ihrer Firma, und ihr Chef findet das, Datenschutz hin oder her, sehr praktisch.

Unsereiner zieht da doch lieber den Hausausweis durch den Kartenleser oder nutzt, ganz altmodisch, einen Generalschlüssel (kommt immer tierisch an bei den Kollegen - obwohl es ja was hausmeistereskes hat). Marlon dagegen, der links oben über die Schulter guckt, findet das ganz normal: er hat schon seit zwei Jahren einen Chip im Ohr. Wann wird das auch für Menschen ganz normal sein?

Technorati Tags: ,

Comments Off

Jul 21 2007

Lokalblog

Abgelegt von Konstantin Klein um 12:47 unter Culture Vulture, Net Life

Interessanter Lesestoff für Leute, die die (hoffentlich nicht) endlosen Tagebuch-vs.-Weblog- und Weblog-vs.-Journalismus-Diskussionen hinter sich gelassen haben: Should Newspapers Become Local Blog Networks? bei Publishing 2.0 (dämlicher Name, aber was solls?). Scott Karp berichtet über die Versuche mehrerer US-Zeitungen, ihren Online-Lokalteil völlig neu zu strukturieren - als ganze Serien von professionell geschriebenen Weblogs.

The word “blog? has way too much baggage — it’s too often equated with opinion. But a blog is just a content management system, and you can use it to publish shrill opinion, or you can use it to publish traditional journalism…or you can use it to publish journalistic reporting with a bit more point of view.

Dieser Schritt, von durchaus respektierten Verlagshäusern gegangen, kann vor allem den Lokaljournalismus revolutionieren. Das wird denen, die im alten Denken festhalten, ob nun auf der “Old Media”- oder der Weblogseite, gar nicht schmecken. Was Karp vorschlägt, ist im Grunde die Abgabe eines ehrwürdigen Ressorts (eben des Lokalen) an eine neue Form des Journalismus (eben die Weblogs) - womit einerseits die beiden medialen Erscheinungsformen zusammenwachsen und andererseits die Funktionen klar getrennt werden. Aber dabei muss es nicht bleiben:

The big problem with transforming newspaper business models is that there’s still so much less revenue online, and only the print revenue can cover the huge cost base of publishing the print paper.

But if newspapers adopted this lean, flexible, networked blog model, and stopped publishing in print, they would shrink costs radically, and, maybe…increase online revenue enough to make it work, IF online was the only game in town.

Wer hat gesagt, dass lokaler Journalismus langweilig und rückständig sei?

Technorati Tags: , , ,

Comments Off

Jul 21 2007

Leere. Gähnend.

Abgelegt von Konstantin Klein um 12:14 unter Net Life, Reality Check

Weil gerade wieder die Lokalzeitung über Grußkartenspam berichtet, und weil gestern anderswo jemand unter PDF-Spam erstickt ist, mache ich mir ernsthaft Sorgen um den Zustand meiner Inboxen.

Da herrscht nämlich eine sagenhafte Ruhe, was Spam angeht (vor fünf und vor zwei Jahren war das noch anders, und ich musste ganze Adressengruppen killen, weil sie spamverseucht waren). Und diese Ruhe lässt nur drei Schlüsse zu:

  • Meine (bzw. die vom jeweiligen Betreiber zur Verfügung gestellten) Spamfilter funktionieren.
  • Ich passe eben gut auf meine Mail-Adressen auf.
  • Oder ich bin so unbeliebt, dass kein Spammer mir Cialis verkaufen will.

Zugegeben: PDF-Spam findet sich reichlich in meiner Dienstmail, aber nur, weil ich dort in einer ganzen Reihe von Empfängergruppen bin, die zugespammt werden. Der (kommerzielle) Spamfilter meines Arbeitgebers erkennt den Mist aber zuverlässig, und Thunderbirds Filter schmeisst ihn in den Orkus (Lotus Notes kriegen wir im Herbst. Seit Jahren…)

Privat aber… Ruhe. Meine Tertiär-Adresse (also eine, die ich seit kurz vor der Eiszeit nutze, kicher) ist bei GMX zuhause, und die dortige wilde Kombination aus verschiedenen Spamfiltern scheint inzwischen zu funktionieren (vor drei Jahren neigte sie noch zu vielen false positives, also fälschlich als Spam markierten Nachrichten). Die Tertiär-Adresse ist aber auch weitgehend unbekannt (ich nutze sie nur zum Sammeln anderer Nachrichten, um sie per Henndie abzurufen, und zum Verschicken von Mail vom Henndie aus), weshalb die Spamfilter ohnehin meist Däumchen drehen.

Meine Sekundär-Adresse ist dagegen schon per definitionem anfällig für Spam: Nur drei Buchstaben als Userkennung, eine der ältesten Domains im ganzen Netz - das fordert zu sog. Lexikon-Attacken geradezu heraus, also dem blindwütigen Verschicken von Spam an zufällig generierte Adressen. Diese Mailbox wird aber von SpamAssassin zuverlässig geschützt - das Ergebnis: Auch dort sorgt ein Filter für den direkten Abgang ins Nirvana.

Meine Primär-Adresse schließlich würde mir den Einsatz von SpamAssassin auf dem Server durchaus erlauben. Da dort aber Greylisting schon zuverlässig schützt, und da ich ein fauler Hund bin, musste ich soweit noch gar nicht gehen. Bei Greylisting weist der Server des Empfängers Mail zunächst mit einer fadenscheinigen Begründung wie “Mailbox zeitweise voll” zurück, merkt sich aber die Herkunft der Mail. Spammer und ihre Botnets geben an dieser Stelle auf, während brave Mailserver es eben in fünf, zehn, dreißig Minuten nochmal versuchen und dann ihre Nachricht auch problemlos abliefern können. Das funktioniert verblüffend gut.

Dass ich darüber hinaus verschwenderisch mit Wegwerfadressen umgehe und meine echten Adress-Schätzchen eifersüchtig hüte, hilft sicher auch. Weshalb ich beim immer wieder vorkommenden kollektiven Stöhnen über eine neue Spamwelle nie so richtig mitstöhnen kann. Aber vielleicht bin ich ja auch nur zu unbeliebt (s.o.).

Und Sie? Bzw. Ihr?

Technorati Tag:

5 Kommentare

Jul 18 2007

Federal Trojan Horse

Abgelegt von Konstantin Klein um 19:37 unter Net Life

Wegen Datenbank-Schluckauf verspätet gepostet:

Das FBI nutzte heimlich installierte spyware, um eine Bombendrohung aufzuklären, berichtet News.com

Federal agents obtained a court order on June 12 to send spyware called CIPAV to a MySpace account suspected of being used by the bomb threat hoaxster. Once implanted, the software was designed to report back to the FBI with the Internet Protocol address of the suspect’s computer, other information found on the PC and, notably, an ongoing log of the user’s outbound connections.

Ergebnis: 3 Monate Knast für den Bombendroher. Womit die Brauchbarkeit von Bundestrojanern etc. für die allgemeine Strafverfolgung bewiesen wäre. Nicht, dass wir das noch nötig gehabt hätten.

Erst ein Kommentar

Jul 17 2007

Werbung

Abgelegt von Konstantin Klein um 20:37 unter Net Life, Sad and Beautiful

Die Gutgläubigen unter uns (also vor allem Sie, liebe/r Leser/in, und ich) glauben ja immer noch, dass Patente vor allem für solche Ideen beantragt und erteilt werden, die so gut sind, dass man damit spielend Millionen verdienen kann.

Falsch. Ganz falsch. ars technica und Information Week berichten über ein Patent, das sich ein bekannter Software-Konzern aus dem Nordwesten der USA hat erteilen lassen, und das so schlecht ist, dass man damit spielend… s.o.

Microsoft hat sich ein System patentieren lassen, mit dem sich Werbung zielgerichtet an Netzbürger verteilen lässt. Anders als andere soll dieses System jedoch das Profil der Zielperson nicht aufgrund deren mehr oder weniger schlechten Surf-Angewohnheiten erstellen, sondern aufgrund…

Richtig: aufgrund des Inhaltes seiner Festplatte und des Zustandes des Rechners, im Einzelnen:

…user document files, user e-mail files, user music files, downloaded podcasts, computer settings, computer status messages (e.g., a low memory status or low printer ink)…

Man könnte also fast meinen, Microsoft habe sich das Prinzip von spyware patentieren lassen. Und mit welchem Betriebssystem soll dies in Zukunft möglich sein? Dreimal dürfen wir raten.

Technorati Tags: , ,

3 Kommentare

Nächste »