Archiv für August 2007

Aug 30 2007

Bai Da!

Abgelegt von Konstantin Klein um 14:31 unter Net Life

Seltenes Ego-Googeln auf Chinesisch: Bei der von SParGEL Online erwähnten chinesischen Suchmaschine Bai Du nach dem eigenen Namen suchen und tatsächlich auffindbar sein - wenn auch mit der OpenBC-Seite der eigenen Schwester auf Platz eins.

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Aug 29 2007

Note to Self

In einem reflektiven Moment (U8, zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Voltastraße) heute morgen eine schon länger andauernde Veränderung der Konsumgewohnheiten eines news junkies (= ich) festgestellt. Diese Feststellung sollte und wird Auswirkungen auf mein Selbstverständnis als Medienschaffender haben.

Früher, also ganz früher, begann der Tag mit dem Hören von Radio-Morgenmagazinen (meistens dem des eigenen oder dem des unmittelbaren Konkurrenzsenders) sowie dem Konsum zweier oder dreier Zeitungen - zuhause und auf dem Weg zur Arbeit. Tagsüber lebte die Neugier aus dem ständig laufenden Redaktionssystem, abends heute, Tagesschau und Tagesthemen. Nicht vorbildlich für einen Journalisten (vorbildlich sind die sieben Zeitungen am Frühstückstisch!), aber ziemlich typisch.

Später begann der Tag mit der Lektüre der umfangreichen und umfassenden, online immer noch gerne gelesenen und an dieser Stelle immer noch gerne zitierten Lokalzeitung, gefolgt von einem Arbeitstag unter einer Monitorwand mit mindestens vier gleichzeitig laufenden Nachrichtenprogrammen, abgeschlossen durch die Abendnachrichten meines Lieblings-Krawallsenders und ergänzt durch heftiges Bloglesen und die keimenden Online-Angebote von Redaktionen aus der alten Heimat.

Und heute, bzw. gestern und heute? Die Berliner Zeitung lese ich abends, den Print-Spiegel als PDF, andere Printmedien als Newsletters oder RSS-Feeds. Am Morgen herrscht Ruhe zuhause, und auf dem Weg zur Arbeit tritt der iPod in Aktion (heute morgen nacheinander - und in dieser Reihenfolge - der Elektrische Reporter, Tagesschau und Tagesthemen). Elektronische Medienangebote haben jetzt die Aufgabe, mich - und vermutlich viele andere - informiert in den Tag zu entlassen.

Nun mögen die Produkte von ARD Aktuell noch als Leitmedien durchgehen; die Tiefe der Berichterstattung beispielweise einer Washington Post erreichen sie nicht, können sie nicht erreichen. Sprich: Wer genauso informiert sein will wie beispielweise vor 15 Jahren, muss sich die abonnierten Podcasts schon genau auswählen (und einen langen Weg zur Arbeit haben).

Oder ich werde meine Zeitung eben doch wieder mit nackten Füßen an den Frühstückstisch holen.

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Aug 29 2007

Dann späht mal schön

Abgelegt von Konstantin Klein um 00:51 unter Reality Check, Under Pressure

Angesichts von Schlagzeilen wie der folgenden “Online-Durchsuchungen: Bundes-Trojaner sind spähbereit” (SParGEL) mache ich mir ja schon Gedanken über die Realitätsferne von Strafverfolgungsbeamten. Denn wer wirklich was zu verbergen hat, also wirklich was zu verbergen, nicht nur eine gewisse Abneigung gegen neugierige Mitmenschen, der dürfte auch die Grundzüge der Datenverschlüsselung kennengelernt haben. Was zur Folge hat, dass Bundestrojaner entweder nichts finden oder unterschiedslos verschlüsselten Kram ins Ministerium schicken. Wo dann die Schlapphüte viel Spaß damit haben können, den Code nicht geknackt zu kriegen.

Übrigens: Man muss kein Verbrecher, Terrorist o.ä. sein, um sich mit Verschlüsselungstechnologie zu beschäftigen und sie auch einzusetzen. Ganz im Gegenteil: Das darf jeder - und angesichts aller möglichen Schnüffeleien (längst nicht nur von staatlicher Seite!) sollte das auch jeder - was sich vielleicht schon der eine oder andere Unternehmer gedacht hat, der sein Produkt auf dem Messestand eines chinesischen Unternehmens wiedergefunden hat, um nur ein aktuell gehyptes Beispiel zu nennen.

Wird wohl mal wieder Zeit für ein HOWTO. Hier die Ganzkurzfassung (weil es schon spät ist):

Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht, dass die Seite sicher-im-netz.de (Schirmherrschaft: Das Bundesministerium des Inneren) Verschlüsselung nicht als sonderlich wichtig für ein sicheres Netzleben ansieht: Sie kommt auf einer Checkliste für sicheres Leben im Netz auf Platz 48 und beschäftigt sich überwiegend mit der verschlüsselten Datenübertragung im Netz. Verschlüsselung von Dateien auf der Festplatte wird nur im Zusammenhang mit dem Microsoft’schen EFS erwähnt. Immerhin werden die beiden zuletzt verlinkten Seiten SSL-verschlüsselt übertragen, ob das nun Sinn macht oder nicht.

Update, weil jetzt erst im Feedreader wieder darauf gestoßen: Schon am 26. Februar hat Kristian Köhntopp interessante Gedanken zum Bundestrojaner geäußert, die in der aktuellen Diskussion komischerweise gar nicht auftauchen:

Weil einige Staatsorgane den heimlichen Zugriff auf meine Hardware fordern, will der Staat das möglicherweise noch vorhandene Restvertrauen zwischen ihm und mir komplett ruinieren. Ich muß in Zukunft also davon ausgehen, daß jede staatlich bereitgestellte Software nicht nur die angepriesenen Funktionen hat, sondern auch noch die staatliche Hintertür auf Vorrat mitbringt.

Im Austausch bekommt der Staat einen Mechanismus, der für den angepriesenen Zweck vorab erkennbar ungeeignet ist, weil er die notwendigen Richtlinien zur gerichtsfesten Beweiserbringung nach Definition nicht erfüllen kann. Der Staat riskiert außerdem die Sicherheit seiner gesamten DV-Infrastruktur, bundesweit, seine eigenen Systeme eingeschlossen.

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Aug 27 2007

Terminsache

Abgelegt von Konstantin Klein um 19:43 unter Net Life, Politics R Us

Nicht, dass ich an Wochenenden sonst nichts vorhätte, aber am Samstag, den 22. September, treffen sich Besorgte ab 14:30 zur Demo “Freiheit statt Angst” gegen die “ausufernde Überwachung durch Wirtschaft und Staat”. Treffpunkt ist der Pariser Platz in Berlin.

Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, wer hinter dem veranstaltenden Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (AK Vorrat) steckt. Unterstützt wird er aber u.a. von attac und dem CCC; da stören die Jungen Liberalen auch nicht so arg. Immerhin nennt der AK sich “politisch unabhängig und überparteilich” und distanziert sich “ausdrücklich von menschenverachtenden, gewaltbereiten und demokratiefeindlichen Positionen.” Die Positionen, von denen sich AK Vorrat nicht distanziert, gefallen mir aber:

Die aktuellen Pläne zur Aufzeichnung von Informationen über die Kommunikation, Bewegung und Mediennutzung jedes Bürgers stellen die bislang größte Gefahr für unser Recht auf ein selbstbestimmtes und privates Leben dar.

Unter einer Vorratsdatenspeicherung würden wir alle leiden:

  • Eine Vorratsdatenspeicherung greift unverhältnismäßig in die persönliche Privatsphäre ein.
  • Eine Vorratsdatenspeicherung beeinträchtigt berufliche Aktivitäten (z.B. in den Bereichen Medizin, Recht, Kirche, Journalismus) ebenso wie politische und unternehmerische Aktivitäten, die Vertraulichkeit voraussetzen. Dadurch schadet sie letztlich unserer freiheitlichen Gesellschaft insgesamt.
  • Eine Vorratsdatenspeicherung verhindert Terrorismus oder Kriminalität nicht. Sie ist unnötig und kann von Kriminellen leicht umgangen werden.
  • Eine Vorratsdatenspeicherung verstößt gegen das Menschenrecht auf Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung.
  • Eine Vorratsdatenspeicherung ist teuer und belastet Wirtschaft und Verbraucher.
  • Eine Vorratsdatenspeicherung diskriminiert Nutzer von Telefon, Mobiltelefon und Internet gegenüber anderen Kommunikationsformen.

Ich denke, ich gehe hin.

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Aug 27 2007

Die ganze Firma?

Abgelegt von Konstantin Klein um 14:51 unter Reality Check

710 Dollar

Unsereiner kauft dafür gerade mal einen Rechner.

(Im Text verrät Auntie Beeb dann, dass es sich doch um 710 Millionen Dollar handelt.)

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Aug 26 2007

Werter Herr Bisky von der Linkspartei!

Abgelegt von Konstantin Klein um 12:04 unter Politics R Us

(Man schrub doch “werter” bei Ihnen, wo unsereiner ein “sehr geehrter” geheuchelt hätte, nicht?)

Was ist das, was Sie da der Bild am Sonntag und ihren Lesern weismachen? Es soll keinen von der DDR-Führung ge- und unterschriebenen Schießbefehl gegeben haben - oder ein solcher sei Ihnen zumindest nicht bekannt?

“Für mich ist nicht belegt, dass es einen generellen Schießbefehl gab. Denn den hätte nur der Nationale Verteidigungsrat beschließen können. In dieser Form ist er meines Wissens nicht dokumentiert”, sagte Bisky der “Bild am Sonntag”. (Quelle: SParGEL)

Wenn Sie es, werter Herr Bisky, dabei belassen hätten - nun gut. Hätte man Ihnen eben einen leichten Fall von Realitätsverweigerung attestiert, und die Sache wäre erledigt. Kommt in den besten Häusern vor, sowas.

Im Weiteren aber die Schüsse an der Grenze durchaus zuzugeben und darauf zu verweisen, man hätte - wie der kürzlich gestorbene Ulrich Mühe, eine in Ost und West anerkannte Gutfigur - ja nicht schießen müssen, das hat schon eine gewisse Dreistigkeit. Denn damit verschieben Sie die Verantwortung einerseits nach unten, zu den tatsächlichen Mauerschützen, andererseits nach oben, ins Politbüro nach Moskau. Nur die Herrschaften der DDR-Führung waren unschuldig, Herr Bisky, die Gruppe, zu der auch Sie gehören.

Wissen Sie was, Herr Bisky? Sie und all die anderen, die den Schießbefehl nicht wahrhaben wollen, Sie müssen nicht erwarten, an dieser Stelle künftig “sehr geehrt” noch auch nur “wert” genannt zu werden.

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Aug 24 2007

Geh Eh Zett!

Abgelegt von Konstantin Klein um 11:13 unter Net Life, Reality Check

Eigentlich wollte ich mit viel substantielleren Inhalten in die neue Saison gehen, sobald sich das Sommerloch wieder schließt. Aber die Abmahnung, die die GEZ wegen der Verwendung “nicht existenter Begriffe” gegen die Betreiber von akademie.de abgefeuert hat, ist doch nett genug, sich an diesem Freitag darüber aufzuregen.

Es ist also künftig verboten, im Netz Wörter wie “GEZ-Gebühr”, “GEZ-Anmeldung” oder “GEZ-Abmeldung” zu schreiben. Liebe GEZ, gilt dieses Verbot etwa auch für Seiten, die auf kleinen texanischen Servern, also weit außerhalb der bundesdeutschen Links- und Rechts-Prechung, zu Hause sind? Ja? Na denn man tau!

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Aug 20 2007

Honey, I’m Home!

Abgelegt von Konstantin Klein um 20:54 unter Inside the Beast

'Wolken über den Schären' von worldwideklein

Wieder zuhause. Den Kopf noch voller Bilder wie dem hier geposteten, die Arme noch voller Mückenstiche, das ganze Selbst wieder voller Tatendrang. Urlaub ist was Feines. Und weiter im ausgedruckten Programm.

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Aug 16 2007

Sommerpause: Redefreiheit vs. Ruhebedürfnis

Abgelegt von Konstantin Klein um 09:50 unter Culture Vulture

Letzter Teil des bluelectric-Sommertheaters:

Wir leben in einer zivilisierten Welt. Jedenfalls bilden wir uns das ein. Und in einer zivilisierten Welt gilt – unter anderem – das Grundrecht auf ein ungestörtes Abendessen. Weshalb zivilisierte Menschen überall auf dieser Welt wissen: wenn während des Abendessens das Telefon klingelt, dann ist es entweder Tante Anna, deren Uhr mal wieder stehengeblieben ist – oder es ist der Doktor von Tante Anna mit einer schlechten Nachricht.

Wenn dagegen in einem amerikanischen Haushalt zur Essenszeit das Telefon klingelt, dann ist es fast immer eine Telefongesellschaft auf der Suche nach neuen Kunden, oder die Virginia State Police Association auf der Suche nicht etwa nach Verbrechern, sondern nach Spenden für den Pensionsfund der Vereinigung, oder es ist die Washington Post, die zwar eine intelligente Zeitung ist, aber zu doof, um ihre Abonnenten von Nicht-Abonnenten zu unterscheiden.

Telemarketing ist der wohlklingende Name für eine Industrie, die sich herzlicher Unbeliebtheit in amerikanischen Haushalten erfreut. Leistungsstarke Computer telefonieren ellenlange Listen von Nummern ab, und wenn jemand antwortet, wird er blitzschnell mit einem Menschen verbunden, der einem einen neuen Telefonservice andrehen oder Spenden abknöpfen will und dabei eine erstaunliche Dreistigkeit an den Tag legt. Der zuständige Industrieverband Direct Marketing Association prahlt mit 70 Millionen derartiger Anrufe – pro Tag!

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Aug 13 2007

Sommerpause: Schimpf und Schande

Abgelegt von Konstantin Klein um 13:44 unter Reality Check

Und noch ein Bericht aus der amerikanischen Wirklichkeit des angehenden 21. Jahrhunderts:

Himmel, #@&%%*! und Wolkenbruch, haben die Leute denn keinen Anstand mehr? Mehr als ein Drittel der Amerikaner bekennt sich schuldig, in der Öffentlichkeit zu fluchen oder anderweitig unangemessene Worte zu wählen. Ungefähr ebensoviele geben zu, sich im Straßenverkehr gelegentlich wie eine gesengte Sau zu verhalten. Das sind Ergebnisse einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Public Agenda jetzt abgeschlossen hat.

Acht von zehn Amerikanern sehen danach Respektlosigkeit, Unhöflichkeit und Grobheit als ernstes Problem der amerikanischen Gesellschaft an. 61 Prozent der Befragten sagten, das Problem sei in den letzten Jahren schlimmer geworden.

Bemerkenswert dabei ist, daß in den unzähligen Talkshows, die sich nach dem Erscheinen der Umfrage mit dem Thema befaßt haben, Anrufer vor allem zwei Punkte ansprachen: unhöfliche Verkäufer und die bereits angesprochenen gesengten Säue auf den Straßen – also genau die beiden Personengruppen, deren Verhalten Reisenden aus Europa oft so positiv auffällt.

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