Aug 26 2007
Werter Herr Bisky von der Linkspartei!
(Man schrub doch “werter” bei Ihnen, wo unsereiner ein “sehr geehrter” geheuchelt hätte, nicht?)
Was ist das, was Sie da der Bild am Sonntag und ihren Lesern weismachen? Es soll keinen von der DDR-Führung ge- und unterschriebenen Schießbefehl gegeben haben - oder ein solcher sei Ihnen zumindest nicht bekannt?
“Für mich ist nicht belegt, dass es einen generellen Schießbefehl gab. Denn den hätte nur der Nationale Verteidigungsrat beschließen können. In dieser Form ist er meines Wissens nicht dokumentiert”, sagte Bisky der “Bild am Sonntag”. (Quelle: SParGEL)
Wenn Sie es, werter Herr Bisky, dabei belassen hätten - nun gut. Hätte man Ihnen eben einen leichten Fall von Realitätsverweigerung attestiert, und die Sache wäre erledigt. Kommt in den besten Häusern vor, sowas.
Im Weiteren aber die Schüsse an der Grenze durchaus zuzugeben und darauf zu verweisen, man hätte - wie der kürzlich gestorbene Ulrich Mühe, eine in Ost und West anerkannte Gutfigur - ja nicht schießen müssen, das hat schon eine gewisse Dreistigkeit. Denn damit verschieben Sie die Verantwortung einerseits nach unten, zu den tatsächlichen Mauerschützen, andererseits nach oben, ins Politbüro nach Moskau. Nur die Herrschaften der DDR-Führung waren unschuldig, Herr Bisky, die Gruppe, zu der auch Sie gehören.
Wissen Sie was, Herr Bisky? Sie und all die anderen, die den Schießbefehl nicht wahrhaben wollen, Sie müssen nicht erwarten, an dieser Stelle künftig “sehr geehrt” noch auch nur “wert” genannt zu werden.
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2 Kommentare zu “Werter Herr Bisky von der Linkspartei!”


Das ist für mich auch nur eine allzu durchsichtige Strategie einschlägiger Funktionärskreise (ehemaliger) totalitärer Regimes, Gegebenheiten so lange als nicht der Realität entsprechend abzuweisen, so lange die Fakten nicht in Form unbestreitbarer offizieller schriftlicher Unterlagen - oder gar von Gesetzestexten - vorliegen.
Was nicht beweisbar ist, wird abgestritten oder auf “Einzeltäter” aus unteren Hierarchiechargen abgeschoben.
Meine Schlüsse in Sache Glaubwürdigkeit von Personen, die sich solcher “Argumentationen” bedienen (und gar der Parteien, in deren Dienst sie stehen mögen), ziehe ich dann schon…
Was mich so aufregt, ist die Haltung, die hinter einer solchen Argumentation steckt: Die Schuld nach unten abzugeben ist schäbig, sie auf andere, höhere Mächte (Moskau?) abzuwälzen feige.
Aber es hat ja auch keiner gesagt, dass für Führungsaufgaben im Politischen Eigenschaften wie Mut oder Rückgrat erforderlich seien.