Eines der Systeme unter meiner Verantwortung soll ein neues Modul bekommen. Leider stellt sich erst im Verlauf des Upgrades heraus, dass die Schnittstellen nicht sauber sind. Der Upgrade lässt sich unglücklicherweise nicht zurückrollen. Also bietet der Lieferant an, auf eigene Kosten ein Ersatzsystem zur Verfügung zu stellen, bis der Schnittstellenfehler behoben ist.
Das System ist mein Auto, das neue Modul der (bisher nicht lieferbar gewesene) Rußpartikelfilter für den Turbodiesel, die unsauberen Schnittstellen zwei vom Hersteller falsch herum angeschweißte Flansche und das Ersatzsystem ein Leihwagen.
Ob ich im Zusammenhang mit einem IT-System eine ebenso rasche und schmerzfreie Lösung angeboten bekommen hätte, wage ich angesichts bisheriger Erfahrungen mal eben zu bezweifeln.
Gestern am späten Abend zufällig am Berliner Büro von Plazes vorbeigedackelt. Festgestellt, dass sich die Plazer eine Etage mit der Deutschen Gesellschaft für Verortung (oder so) teilen. Nicht gewusst, was ich draus machen soll.
Und darüber nachgedacht, wieviele der Teilnehmer der am Samstag von mir versäumten Demo gegen die Datensammelwut wohl unter der Überschrift des social networking bei Plazes ihre Spuren hinterlassen. Habe mich übrigens schon selbst gelegentlich dabei erwischt (s.o.).
OK, für uns ist es nur ein Bericht von SParGEL Online, aber es basiert auf einer Geschichte in WIRED: Die Heimatschützer der US of A interessieren sich für die Lektüre von Flugreisenden.
Privacy advocates obtained database records showing that the government routinely records the race of people pulled aside for extra screening as they enter the country, along with cursory answers given to U.S. border inspectors about their purpose in traveling. In one case, the records note Electronic Frontier Foundation co-founder John Gilmore’s choice of reading material, and worry over the number of small flashlights he’d packed for the trip.
Kleine Taschenlampen (und nicht etwa “Blitzlichter”, wie die Spezialisten des SParGEL meinen, “flashlights” übersetzen zu müssen) hatte ich nun nicht dabei auf meinem kürzlichen Flug nach WashDC. Im Gepäck ebenfalls nicht vorhanden war aber auch - obwohl die Wired-Geschichte jetzt erst erschienen ist, ich von der Lesewut der Heimatschützer also nichts wissen konnte - “The Afghan”, ein Thriller über einen CIA-Mann, der in eine Al-Qaeda-Operation eingeschleust wird. Der Thriller, den ich vor der Reise zur Hälfte gelesen hatte, ist zwar von Frederick Forsyth und in jeder US-Buchhandlung zu haben (wo ich ihn dann auch gekauft habe, um die zweite Hälfte in Washington zu lesen), aber weiß das auch der übereifrige Heimatschützer vom Dienst?
Früher musste man nur darauf achten, bei der Einreise in die US of A keine ungarische Salami im Gepäck zu haben. Die Zeiten ändern sich.
Na prima. Demo gegen Vorratsdatenspeicherung aus persönlichen Gründen (allerdings eine emergency) verpasst. Resultat: mindestens einer zu wenig da gewesen.
Wenn jetzt die Vorratsdatenspeicherung im bedrohlichen Umfang umgesetzt wird, bin ich wohl schuld. Sorry!
Schöne Grüße aus Schiphol, dem niederstländischen aller europäischen Zentralflughäfen. Und ich habe Euch allen etwas mitgebracht aus den US of A - Erkenntnisse nämlich:
Nach vier Jahren Abwesenheit fühlt sich auch die alte Heimat nur noch bedingt heimatlich an. Alles ist noch vertraut, aber der Lebensmittelpunkt hat sich deutlich verlagert. (Hier unauffälliges Winken an den neuen Lebensmittelpunkt einsetzen)
Auch in den US of A ist das Benzin inzwischen ungeheuer teuer. Immer noch billiger als in Good Old Europe, aber dafür saufen die Autos auch mehr.
Immerhin gibt es den Chinesen in der M Street (NW) noch, und das Kung Pao Chicken schmeckt wie eh und je. Gut.
Auch die Burger der Five Guys sind noch immer hervorragend, auch wenn (oder weil) die fünf Jungs inzwischen die ganze Ostküste der US of A beburgern und nicht nur den Großraum Washington. Nur an ihrem Erscheinungsbild im Netz könnten sie noch arbeiten.
Coca Cola schmeckt, wenn in Washingtoner Bars, Kneipen, Restaurants getrunken, wie aus’m Schwimmbad. Weil die Washingtoner Wasserwerke immer noch zuviel Chlor ins Trinkwasser schmeißen.
Der berufliche Wechsel vom Korrespondenten-Schreibtisch hin zum IT-Menschen hat auch die Prioritäten leicht verschoben - ich habe noch zwei ungelesene Lokalzeitungen im Gepäck. Wäre mir früher nie passiert.
Jemand anderen am ehemals eigenen Schreibtisch sitzen zu sehen, hat etwas Seltsames an sich.
Gut, wieder hier zu sein. Und in zwei Stunden geht der Flug nach Berlin.
So ein klein wenig abgekoppelt vom (lebensmittel-)technischen Fortschritt sind wir Europäer ja doch. Ich komme gerade vom hauseigenen CVS (Apotheke, Drogerie, convenience store) zurück ins Washingtoner DW-Studio, in der Tasche zwei Flaschen Diet Coke Plus, laut Aufschrift “Diet Coke with Vitamins & Minerals”. Dann müssen es wohl die Mineralien sein, die so komisch schmecken.
Egal. Nehme ich jetzt eben Vitamin B6, Vitamin B12, Magnesium, Niacin und Zink mit meiner Kunststoff-Cola zu mir. Das ist der Mensch sich doch schuldig.
Man kann das Leben auch in vollen Flügen genießen, stellt der Alte Depp fest, und wer ihn vor wenigen Stunden im Schweinsgalopp durch den Flughafen Schiphol hat galoppieren sehen (hoffentlich niemand, der mich kennt!), um den Flug nach Washington noch zu erwischen (Flug erwischt, und das Gepäck hat es auch noch geschafft), wird Sätze wie “Der Weg ist das Ziel” mit wieherndem Gelächter quittieren.
Jetzt also wieder hier. Im (Leih-)Auto die Strecken abgefahren, die ich fast acht Jahre im eigenen bevölkert habe. Wieder Namen wie Ourisman im Autoradio gehört (großer Autohändler hier in der Gegend), wieder die Washington Post in der Early Sunday Edition als Bettlektüre bereitgelegt.
Eigentlich ist alles wie damals, als mir diese Gegend mein Zuhause war. Erstaunlich unverändert, die Nachbarschaft; nur das Haus, in der die Tochter ihre ersten Lebensjahre verbracht hat, ist jetzt mit einer Art gelber Plastikfarbe gestrichen. Aber im Weißen Haus (keine Plastikfarbe!) regiert immer noch der selbe Mann und macht immer noch mehr oder weniger die selbe Politik. Aber seine Präsidentschaft ist älter geworden, sein Krieg, das kriegführende wie das bekriegte Land und die Menschen darin, und der Berichterstatter an dieser Stelle auch.
Eben doch anders. Wäre ja auch noch schöner, wenn wir uns in den letzten Jahren nicht weiterentwickelt hätten.
Alter Depp ist wieder jung. Fühlt sich wieder jung. Jünger, jedenfalls. Es ist wie vor elf Jahren, wie zuletzt vor knappen vier Jahren: Warten auf den Flug nach Amsterdam, wo der Weiterflug zu einem Kurztrip nach Washington, in die alte Wahlheimat wartet.
bluelectric.org wird kurzfristig zum Reiseblog, und wenn der Alte Depp nicht das USB-Kabel für die Digiknipse zu Hause gelassen hätte, gäbe es jetzt schon Bilder (so eben erst nächste Woche). Aber wie ein Warteraum in Tegel aussieht, weiß ja ohnehin jeder.
Und heute nachmittag (Ortszeit) fahre ich die Dulles Access Road entlang, und abend sehe ich Menschen wieder, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Flashback. Aber angenehm.
“Zeitsouverän” sind diejenigen Medienkonsumenten, die sich nicht mehr (zumeist von Sendern) diktieren lassen wollen, wann sie sich was vorzusetzen lassen haben. Ein bisschen zeitsouverän sind wir alle seit der Anschaffung unseres ersten Videorecorders (Audio-Aufnahmegeräte zählen nicht, denn wir haben Musik im Radio ja nicht mitgeschnitten, um sie später zu hören, sondern um sie immer wieder zu hören). So richtig zeitsouverän wurden wir aber erst im Zeitalter von Video-on-demand, Podcasts und YouTube. Und gelernt habe ich das in einer Arbeitsgruppe meines Arbeitgebers, der sich natürlich Gedanken darüber macht, wie er dem neuernannten Zeitsouverän besser dienen kann.
Wenn schon sonst nicht sonderlich souverän, dann doch wenigstens zeit-.