Okt 30 2007

Web vs. Desktop

Abgelegt von Konstantin Klein um 23:16 unter Net Life, Tech Nation

Aufmerksamen Lesern (also allen dreien) ist es nicht entgangen: Ich schwanke schon wieder zwischen GMail und richtiger Mail hin und her; neben der Datenschutzproblematik beschäftigt mich dabei aber vor allem die Entscheidung zwischen Mail als Desktop-Anwendung (das wäre dann also Mail.app) und Mail als Web-Anwendung (also GMail).

Ich habe eigentlich immer Webmail als irgendwie zweitklassig empfunden. In Bezug auf Erweiterungen wie PGP- oder auch S/MIME-Verschlüsselung stimmt das auch, und den großen Vorteil von Webmail (universale Verfügbarkeit) kann der User dank IMAP auch mit dem Mail-Client auf dem Desktop genießen. Auf der anderen Seite sind Webmail-Anwendungen wie GMail mehr als genügend für den täglichen Bedarf, man spart sich die Konfiguration der Clients auf mehreren Maschinen (wenn man sie nicht ohnehin, z.B. mit einem .Mac-Account oder ähnlichem synchronisiert) - und ist Mail nicht eigentlich die Netz-Applikation schlechthin und damit im Rahmen einer Web-Oberfläche durchaus zuhause?

Aber ich schweife ab - denn eigentlich geht es um das Zusammenwachsen von Desktop- und Web-Computing.

Personal computing is currently in a state of transition. While traditionally users have interacted mostly with desktop applications, more and more of them are using web applications.

…heißt es im Mozilla Labs Blog, und mit diesen klugen Sätzen beginnt die Vorstellung neuer Aktivitäten der Mozilla-Leute:

Mozilla Labs is launching a series of experiments to bridge the divide in the user experience between web applications and desktop apps and to explore new usability models as the line between traditional desktop and new web applications continues to blur.

Erstes Projekt: Prism - ein Versuch, Webapplikationen wie Desktop-Anwendungen aussehen zu lassen. Die Webanwendung, also eine Webseite, wird dabei einfach in einen Fensterrahmen ohne die übliche Browseroberfläche, also ohne Adress-Zeile, Navogationsknöpfen etc. gepackt und soll wie eine lokale Anwendung durch Doppelklick auf das dazugehörige Icon gestartet werden.

Was das soll? Hm. Leute beruhigen, denen die Idee von Anwendungen im Browserfenster irgendwie unheimlich ist, nehme ich an. Ausprobieren kann ich die Sache nicht, da Mozilla Labs zunächst an einer frühen Windows-Version von Prism (Obacht, Link lädt eine .exe-Datei herunter!) arbeiten; die Versionen für Macs und Linuxbüchsen kommen später.

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6 Kommentare zu “Web vs. Desktop”

  1. Christian am 31. Oktober 2007 um 06:26

    Hm.
    Mein erstes Gefühl war: Wozu?
    Aber es stimmt schon, es gibt gefühlsmäßige Unterschiede zwischen einem “richtigen” Programm und einer Web-App.

    Dann hab ich ein bisschen auf der Website gelesen und fand den Satz “Ideally you shouldn’t even have to download Prism, it should just be built into your browser.” und alles in mir schrie “Sicherheitslücke”. Tolles neues Feld für Werbevermarkter und Virenschreiber…

    Ich bezweifle, dass es der richtige Ansatz ist, Web-Apps zu verstecken und zu tarnen. Aber ich bezweifle auch schon länger, dass ich mit dem gleichen Programm in der Lage sein sollte, mich auf Crackz- oder Pornz-Seiten herumzutreiben und dann den Quartalsbericht meiner AG im Firmennetzwerk zu speichern. Danach mach ich noch ne Runde Online-Banking und dann schau ich nach, ob im Hintergrund mein neuer MS-Office-Crack fertig heruntergeladen ist. Nee nee.
    Da versucht man jahrelang den Menschen beizubringen, dass es eigentlich klug wäre, für daily work und Surfen verschiedene Accounts zu benutzen und dann lagert man auf einmal alles in einem Browser - oder in einen versteckten Browser aus?
    Fühlt sich nicht gut an.

  2. Konstantin am 31. Oktober 2007 um 09:31

    Ist es denn wirklich so, dass Browser allein verwundbar sind? Ich habe mich in der letzten Zeit nicht mehr so damit beschäftigt, aber sind nicht eher alle Anwendungen verwundbar, sobald sie mit dem Netz verbunden sind (und das sind von Büroanwendungen bis zu den Redaktionssystemen, mit denen ich es bei der Arbeit zu tun habe, doch eine ganze Menge)?

    Gerade in diesen Tagen diskutieren wir, wie verwundbar ein Video-Managementsystem im Hausnetz ist, das zwar einen eigenen Video-Player mitbringt, aber den Windows Media Player ebenfalls zulässt (Tut es zwar nicht, ist aber eine Anforderung aus der Redaktion).

    Und sensible Daten würde ich dann doch eher sehr ungern auf einem nicht-hauseigenen Server ablegen. Aber das ist, glaube ich, weniger eine Frage der technischen Sicherheit als der persönlichen Verantwortung.

  3. Christian am 31. Oktober 2007 um 10:14

    Einmal denke ich, dass Browser vom Prinzip her anfälliger sind, ja. Ein Browser muss inzwischen so viel können und für alle möglichen Dokumenttypen, PlugIns, Scriptsprachen usw offen sein - weil unser geliebtes Web ja so multimedial sein muss.
    Eine Anwendung, die primär für einen bestimmten Zweck (Textverarbeitung mit Rechteverwaltung und Serverablage) geschrieben ist, kann man da doch - in meinem Verständnis - wesentlich sicherer machen.

  4. Konstantin am 31. Oktober 2007 um 18:44

    Man kann. Aber macht man auch?

    Ich will ja gar nicht behaupten, dass Desktop-Anwendungen grundsätzlich unsicher sind. Aber ich erinnere mich auch noch an die Zeit, als Webmail unter Normalusern als sicherer galt, weil Outhouse Express unkritisch alles ausführte, was in Webmail noch nicht einmal angezeigt wurde.

    Der sicherste Rechner ist immer noch der nicht vernetzte, ohne USB-Anschluss und Laufwerke.

  5. Christian am 01. November 2007 um 09:24

    Hihi, Outlook Express…
    Ich meinte das prinzip, die Systemarchitektur, um es mal groß zu formulieren.
    Das Vertrauen, ob “man” - also die Programmierer es tun oder nicht, da musst Du Dich eh immer drauf verlassen. Oder selbst programmieren.

    Ich überlege gerade, ob meine Mails so langsam mal auf meinem eigenen Server landen. Hier, der direkt neben mir. Den per Pop-Sammeldienst minütlich alle anderen Postfächer leeren und dann per IMAP abfragen, von wo auch immer ich will, das klingt verlockend…

  6. bluelectric.org » Mehlpleng am 05. Januar 2008 um 01:23

    [...] gar nicht mehr, wie ich davon erfahren hatte, aber seit ein paar Tagen teste ich Mailplane, einen dieser Versuche, einen Webservice als Desktop-Applikation darzustellen. “Einer dieser Versuche”, denn [...]