Archiv für November 2007

Nov 30 2007

Schwieriges Essen 2.0

Abgelegt von Konstantin Klein um 19:44 unter Net Life, Reality Check

Vorweg: Für mich war Spinat nie ein schwieriges Essen, und meine Nachkommenschaft, ob leiblich oder angeheiratet, sieht das ganz genauso. So gesehen, ist schon die Überschrift purer Quatsch.

Immerhin: Iglo macht es der generation 2.0 jetzt leicht(er), eine persönliche Beziehung zum elterlicherseits servierten Spinat aufzubauen. Neben dem Blubb in der Packung findet sich jetzt ein sogenannter Internet-Code auf der Packung, mit dessen Hilfe man auf Iglos Website herausfinden kann, von welchem Feld unter der Fürsorge von welchem Bauern der gerade zubereitete und (möglicherweise, aber nicht unbedingt - s.o.) gehasste Spinat stammt.

Im Fall des heutigen Abendessens ist es Spinat vom Feld “Hegemann III” von Ludger S., 46 Jahre alt, verheiratet, aus dem Kreis Borken. Schönen Dank auch, Herr S.!

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Nov 28 2007

Motivation

Abgelegt von Konstantin Klein um 23:30 unter Workload

Am Morgen der meisten Arbeitstage nehme ich eine Abkürzung. Da ich vom Haupteingang des Gebäudes, in dem ich arbeite, bis zu dem Büro, in dem mein Schreibtisch steht, gefühlte 800 Meter in die Richtung laufe, aus der ich, vom U-Bahnhof aus, gerade gekommen bin, gehe ich meist durch die erste Toreinfahrt des Geländes auf den Hof und zu einem uralten Lastenaufzug (Baujahr 1911!), zu dem ich einen Schlüssel habe, und der mich nach einer zittrigen Fahrt direkt gegenüber meiner Bürotür ausspuckt. Was wär das Leben ohne ein gewisses Risiko? (U. Roski)

Aber das ist gar nicht die Geschichte. Auf dem Weg zu dem Aufzug komme ich an einem Call Center vorbei. Für Unkundige: Das sind die Firmen, die im Auftrag anderer Firmen Menschen anrufen, die eigentlich nicht angerufen werden wollen.

Das Call Center in question hat nun, ebenso wie mein Arbeitgeber, Fläche in einem alten Industriegebäude angemietet. Auf dem Weg zur Arbeit sehe ich dort um diese Jahreszeit frierende Menschen, die darauf warten, kurz vor Dienstbeginn die Fabrikhalle betreten zu dürfen, in der sie fremde Menschen anrufen sollen. Und auf dem Weg nach Hause herrscht dort reger Betrieb, und die Raucher unter den Telefonarbeitern stehen frierend auf dem Hof, weil in der Halle das Rauchen verboten ist.

Ich gebe zu, dass ich mir meine Gedanken über diese Menschen mache - nicht, weil sie frören oder rauchten, sondern weil sie - und das lese ich ihren Gesichtern ab - gerne anderswo und vermutlich für mehr Geld arbeiten würden. Und obwohl ich zu denen gehöre, die zu Hause ungebetene Anrufer mit ausgesuchter Grobheit abfertigen, kann ich mir doch vorstellen, dass die frierenden Berufstelefonierer froh sind, wenigstens diesen Job zu haben, und denke mir nur, wie schwer es sein muss, sich für Anrufe bei groben Sausäcken wie mir zu motivieren.

Eminent hilfreich bei dieser Motivationsarbeit ist aber der Fuhrpark, den die Call-Firma offensichtlich ihren leitenden Angestellten zukommen lässt: Neben einem Lieferwagen der Kangoo-Klasse stehen dort nur große Wagen aus München und Stuttgart, ausnahmsweise auch aus Ingolstadt, ausnahmsweise auch unter 3,2 Liter Hubraum. Erkennbar sind die Wagen am einheitlichen Schwarz und den ebenso einheitlichen Nummernschildern, ausgestellt in einer westdeutschen Mittelstadt und die Buchstaben des Firmennamens in das Kennzeichen integrierend.

Macht sicher Spaß, dort zum knapp kalkulierten Lohn zu telefonieren. Man sieht ja jeden Tag, wozu’s gut ist.

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Nov 28 2007

Übelnahme

Abgelegt von Konstantin Klein um 09:58 unter Net Life, Reality Check

Neues aus der seriösen Ecke des Social Porn-Landes: Es gibt Gerüchte, dass die Profi-Netzwerkbude LinkedIn einen Kaufinteressenten hat. Das wäre an sich nicht interessant genug, mich aus dem morgendlichen Selbstmitleid (wg. Erkältung) hochzuleiern; interessant ist der Käufer: News Corp., das Imperium von Rupert Murdoch.

Was nicht anzunehmen ist: das Mr. Murdoch aus LinkedIn ein Netzwerk von Fox-News-Fans machen will. Aber wenn schon jemand meine Daten hat (was im Falle LinkedIn der Fall ist), dann soll es wenigstens nicht Rupert Murdoch sein. Da bin ich zickig.

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Nov 27 2007

Pro(st) und Contra(st)

Abgelegt von Konstantin Klein um 14:33 unter Net Life

Allmählich wird es Zeit, einen DIN A2-Bogen an die Wand zu pinnen und anzufangen, draufzumalen, wer für Facebook & Co. ist, und wer dagegen. Tim Berners-Lee, Entschuldigung: Sir Tim Berners-Lee ist dafür, Cory Doctorow ist dagegen:

In the real world, we don’t articulate our social networks. Imagine how creepy it would be to wander into a co-worker’s cubicle and discover the wall covered with tiny photos of everyone in the office, ranked by “friend” and “foe,” with the top eight friends elevated to a small shrine decorated with Post-It roses and hearts. And yet, there’s an undeniable attraction to corralling all your friends and friendly acquaintances, charting them and their relationship to you.

Die ungute Konsequenz, aus der Sicht von Dr. Ow (’tschuldigung!): Auch ungustöse Menschen finden uns leicht wieder, die uns nicht finden sollen, und erfahren Dinge, die sie nicht erfahren sollen.

Stimmt. Aber mit etwas Mühe können sie das im großen, bunten Rest-Internet auch. Es bleibt also richtig, dass der Mensch sich überlegen sollte, was er alles ins Netz stellt, ob auf eine Social Porn-Seite oder anderswo. Aber das wussten wird doch schon, und haben uns nie anders benommen. Gell?

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Nov 25 2007

Social Porn

Abgelegt von Konstantin Klein um 19:19 unter Net Life, Reality Check

Anderthalb Tage Landluft, gutes Essen und Wellness 2.0 satt, und ein klein wenig nachgedacht über das, was sich, auf diesen Seiten in den letzten Tagen widergespiegelt, derzeit im Netz tut. Was ist es, das an social software (oder wie zweinullig man das auch nennen will) sogar gestandene Alte Zausel™ - im Plural, ich bin da ganz und gar nicht alleine - so fasziniert?

Twitternd und das Facebook auf- und umbauend, bin ich natürlich nicht zum Nachdenken gekommen - man hat schließlich auch noch einen anspruchsvollen Job und muss zumindest den Eindruck machen, als habe man den Haushalt einigermaßen im Griff. Beim Durchgeblubbertwerden in der Salzlake von Bad Saarow dagegen durchfuhr es mich wie der Blubb Blitz:

Social Porn!

Flickr, Twitter, Plazes, Facebook, StudiVZ, OldieVZ - alle diese communitiy-orientierten Seiten machen süchtig, wie Pornografie süchtig macht (habe ich mir sagen lassen…). Es erfordert - zumindest in meinem Alter - durchaus Mut, sich zum möglicherweise sogar intensiven und produktivitätsmindernden Gebrauch von Facebook & Co. zu bekennen. Und genauso, wie Porno - arg vereinfacht gesagt, zugegeben - durch die virtuelle Darstellung von Sex wirklichen Sex ersetzt, ersetzen die sozialen Beziehungen im Social Porn… wirkliches soziales Leben.

Autsch.

Stimmt so natürlich auch wieder nicht, weil Social Porn möglicherweise das soziale Leben der Echtzeit 1:1 wiederzuspielen in der Lage ist, gleichzeitig aber Mehrwert schafft, der beispielweise in der Unabhängigkeit von Ort und Zeit bestehen kann. Aber als Gedanke zum Weiterverfolgen und als Schlagwort bei der Google-Suche ist Social Porn doch schon mal recht tauglich.

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Nov 23 2007

Me 2.0

Abgelegt von Konstantin Klein um 17:33 unter Net Life

Der Sixtus unter uns zwischert:

Twittern ist wie Bloggen 2002: Eine Handvoll Leser, die man alle per Vornamen kennt. Ich glaub ich schalt mein Blog ab :-)

Und ich gehe noch weiter zurück in die Steinzeit, bis ca. September 1993 (den wir als “ewigen September” kennen), schlüpfe in die Rolle eines AOL-Newbies und krähe fröhlich:

Me too!

Bzw. Me 2.0, um den Zeitläuften gerecht zu werden.

(In diesem Eintrag ist kein tieferer Sinn zu finden. D. Red.)

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Nov 22 2007

Oh my GGG!

Abgelegt von Konstantin Klein um 19:45 unter Net Life

Es war abzusehen. The Next Big Thing ist irgendwas mit 3.0 (das letzte 3.0 in meinem Langzeitgedächtnis war Windows 3.0, und das macht wenig Mut), und, Nicholas Carr zufolge, der sich wiederum auf einen gewissen Sir Tim Berners-Lee bezieht, ist das Web 3.0 nichts anderes als der Social Graph:

Well, it looks like there’ll be no escaping the “social graph” term. World Wide Web inventor Tim Berners-Lee, in a blog post last evening, not only bestowed his blessing on the social graph but elevated it to the capitalized Social Graph, a sign that we have a New Paradigm on our hands.

Na fein. Andere haben Marmelade oder Schmieröl an den Fingern, wir hier im Netz haben gleich ein komplettes neues Paradigma daran. Und was meint Carr bzw. Berners-Lee damit?

Richtig. Facebook & Co. Das Social Web als Web 3.0. Musste ja so kommen:

People running Internet systems had to let their computer be used for forwarding other people’s packets, and connecting new applications they had no control over. People making web sites sometimes tried to legally prevent others from linking into the site, as they wanted complete control of the user experience, and they would not link out as they did not want people to escape. Until after a few months they realized how the web works. And the re-use kicked in. And the payoff started blowing people’s minds.

Letting your data connect to other people’s data is a bit about letting go in that sense. It is still not about giving to people data which they don’t have a right to. It is about letting it be connected to data from peer sites. It is about letting it be joined to data from other applications.

It is about getting excited about connections, rather than nervous.

Berners-Lee ist aufgeregt, nicht nervös. Weil er es ja war, der (zusammen mit Al Gore, kicher) das Internet erfunden hat, werden sich dem Facebook seine Anhänger ganz gewaltig über diese Gedanken freuen, und dem Datenschutz seine Anhänger kommen sich ein klein wenig humorlos und ewiggestrig vor.

Und weil Berners-Lee neben anderem auch das Verdienst zukommt, die einzig mögliche Abkürzung erfunden zu haben, die (auf Englisch) ausgesprochen dreimal so lange dauert wie der abgekürzte Begriff, kommt er nicht umhin, den Social Graph gleich zum Giant Global Graph umzubenennen. GGG.

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Nov 22 2007

Ruhe!

Abgelegt von Konstantin Klein um 08:24 unter Culture Vulture, Sad and Beautiful

Wieder eine Nachricht, die im allgemeinen Gedudel untergegangen ist: Nach einem Bericht von Salon.com war gestern in Greatest of all Britains (not that there are many) No Music Day, und schon zum dritten Mal.

On No Music Day:
No hymns will be sung.
No records will be played on the radio.
iPods will be left at home.

No Music Day exists for various reasons. You may have one.

Salon.com zufolge haben sich selbst aus den direkt betroffenen Industrien (speziell Radio) erstaunlich viele (also wahrscheinlich eine Handvoll) Menschen dem Aufruf angeschlossen, der ganz speziellerweise von Bill Drummond ausging, der als Teil der Künstlergruppe KLF durchaus seinen Teil zur akustischen Veränderung des Alltags beigetragen hat.

Soweit dieses. Ich muss zur Arbeit. Wo ist mein iPod?

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Nov 21 2007

Rubbeln

Abgelegt von Konstantin Klein um 09:47 unter Reality Check

Kurze Frage an die Alleswisser da draußen: Mir ist bekannt, dass es eine Legende ist, dass von einem Automaten schon einmal zurückgewiesene Münzen doch angenommen werden, wenn man sie zwei-, dreimal über die metallene Außenhaut des Automaten rubbelt.

Wenn das eine Legende ist, warum funktioniert es dann trotzdem? Case in point: Ein Zwei-Öre-Chip fällt sechs- oder sieben Mal durch den Automaten. Einmal gerubbelt, und der Automat schluckt ihn anstandslos und gibt sogar noch ordnungsgemäß heraus. Wunder der Technik.

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Nov 21 2007

Bolognese

Abgelegt von Konstantin Klein um 08:14 unter Culture Vulture, Reality Check

Alle, die auf ihrer - ‘tschuldigung! - Facebook-Seite oder auch sonstwo unter “Religion” Atheist eintragen oder das Feld gleich ganz leer lassen, können Hoffnung schöpfen, demnächst ganz legitim ihr religiöses coming out begehen zu können. Pastafarianismus, die Religion, die das Fliegende Spaghetti-Monster verehrt, ist auf dem Weg zur offiziell anerkannten Religion. Flying Spaghetti Monster Inspires Wonky Religious Debate, schreibt Randy Dotinga von Wired.com und bezieht sich dabei auf eine Podiumsdiskussion auf dem Jahrestreffen der American Academy of Religion in San Diego. Immerhin 9000 Besucher waren da - auf dem Jahrestreffen, vermutlich nicht der Diskussion.

They use words like “didactic device” to describe the beloved but carb-heavy god of Pastafarianism. They say the FSM is cloaked in a “folk-humor hybrid body,” and reveals a web-fueled movement toward “open source theology” that challenges existing beliefs.

Pastafarianism is “quite clearly confronting order with disorder, a profound kind of religious activity that we often overlook,” said religious-studies professor and author David Chidester…

Und warum auch nicht? Wenn “Intelligent Design” als nur schwach verkleidete Schöpfungsgeschichte an amerikanischen Schulen als Gegenstück zur Evolutionstheorie gelehrt werden darf bzw. muss, warum dann nicht die Religion von zwei Fleischklopsen mit Nudeln?

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