Nov 27 2007
Pro(st) und Contra(st)
Allmählich wird es Zeit, einen DIN A2-Bogen an die Wand zu pinnen und anzufangen, draufzumalen, wer für Facebook & Co. ist, und wer dagegen. Tim Berners-Lee, Entschuldigung: Sir Tim Berners-Lee ist dafür, Cory Doctorow ist dagegen:
In the real world, we don’t articulate our social networks. Imagine how creepy it would be to wander into a co-worker’s cubicle and discover the wall covered with tiny photos of everyone in the office, ranked by “friend” and “foe,” with the top eight friends elevated to a small shrine decorated with Post-It roses and hearts. And yet, there’s an undeniable attraction to corralling all your friends and friendly acquaintances, charting them and their relationship to you.
Die ungute Konsequenz, aus der Sicht von Dr. Ow (’tschuldigung!): Auch ungustöse Menschen finden uns leicht wieder, die uns nicht finden sollen, und erfahren Dinge, die sie nicht erfahren sollen.
Stimmt. Aber mit etwas Mühe können sie das im großen, bunten Rest-Internet auch. Es bleibt also richtig, dass der Mensch sich überlegen sollte, was er alles ins Netz stellt, ob auf eine Social Porn-Seite oder anderswo. Aber das wussten wird doch schon, und haben uns nie anders benommen. Gell?
Technorati Tags: Social software, Facebook, social porn
9 Kommentare zu “Pro(st) und Contra(st)”


Dein Gegenargument ist schon korrekt, denn nach Doctorows Logik dürfte man nix machen.
Aber muss man alles mitmachen, weil es alle tun? Zum Wohle eines Ami-Konzerns, der keinen Hehl aus seiner Philosophie macht, die da lautet: “Sag uns alles, wir und die anderen Datengeier auf der ‘Plattform’ machen Geld draus.” Und die Kunden auf der “Plattform” können sich kaum bremsen vor Begeisterung, weil sie solche Massen von freigiebigem Datenvieh nutzen dürfen.
Da sage ich mir: Nö. No Facebook, thanks. Wenn schon Sachen von mir im Web, dann bitte, wie der Schockwellenreiter es ausdrücken würde, mit “Eigentum an Produktionsmitteln”.
Korrekt. Müssen wir also zu dem Vorhaben, unser eigener flickr zu werden, auch noch das dazupacken, unser eigenes Facebook zu werden. Oder wir, die wir überhaupt das Interesse haben, irgendwie im Netz zu erscheinen (und wir sind immer noch eine Minderheit, würde ich mal sagen) erklären das, was wir schon haben, zu unser eigenenem Facebook: ein Weblog beispielsweise. Oder eine Hompeitsch.
Ich meine das gar nicht sarkastisch, auch wenn es so klingt. Schließlich lassen sich Fotoalben, Twittereien, Shoutboxes und was nicht alles auch auf solchen, mehr oder weniger in der Hand der Betreiber befindlichen Produktionsmitteln installieren. Macht halt mehr Arbeit, und die wollen oder können sich die Facebookjünglinge und -maiden eben nicht machen.
Gut, zu päpstlich müssen wir auch nicht sein.
Aber, um mal einen berühmten überaus investigativen Fernsehkollegen zu zitieren: “Facebook geht gar nicht.” Da ist der Datenhandel einfach zu offensichtlicher Geschäftszweck.
“Unser eigenes Facebook”: Da bin ich kürzlich über noserub (http://noserub.com/) gestolpert. Hatte noch keine Zeit zum Testen, klingt aber irgendwie danach.
Kerner geht uebrigens auch gar nicht, und nicht erst seit Herman. Den Ruhm wg. “geht gar nicht” hat er wirklich nicht verdient. Musste auch mal gesagt werden.
Kerner ging noch nie, angeblich ist das auch der Grund warum er zum Fernsehen gegangen wurde, weil Fußball im Radio mit Kerner ganz und gar nicht ging. Nur ein Gerücht, aber erscheint mir glaubhaft. Wollt ich mal los werden.
Wie war das Thema? Ach Facebook… ich weiß et net eigentlich will ich es ja auch nicht aber es ist so ein nettes Spielzeug *seufz*
Das noserub ist eine interessante Idee, setzt allerdings PHP5 voraus wenn man es dann dezentral auf dem eigenen Server installieren will.
Noserub (die Website, nicht das, na, was? Das Framework oder so) habe ich mir gestern übrigens auch mal kurz angeguckt. Sieht interessant aus, riecht aber nach Arbeit. Und dabei wären wir wieder bei meiner ersten Antwort auf Ralf G…
Naja, ich finde es bemerkenswert, dass der Herr K. “geht gar nicht” als akzeptables finales Element eines TV-Talks eingeführt hat, deshalb hat sich das wohl so bei mir eingegraben.
Was das “Eigentum an Produktionsmitteln” angeht:
Man muss halt schauen, was man da will und braucht. Und wem man trauen kann. Ich melde mich, wenn ich mir aus Neugierde solche Netzwerke anschaue, stets mit einem Fake-Account an und schaue mich erst einmal um. Ein wichtiger Test: Wie schwierig ist es, sich wieder aus dem System zu löschen? Wenn das ein Problem ist - Hände weg von diesem Dienst.
Und ob man sich selbst mit seinen anderen Identitäen irgendwo freiwillig verknüpft, weil ja die Features so viel Bequemlichkeit versprechen. Und damit im Daten-Warenhaus freiwillig die Regale einräumt.
Was man braucht, sind keine Tools wie Noserub, sondern Protokolle. So wie FOAF, wo schon alles drin steckt, was man so braucht, das ging aber nach einer kurzen Blüte unter Geeks wieder unter. Aber eines nach dem anderen.
OK, jetzt ist es wohl an der Zeit, mich als grenzenlos naiv zu outen. Auf die Idee mit einem Fake-Account hätte ich aber auch selbst kommen können. Hiermit zum Lernerfolg des Tages erhoben - danke!