Archiv für das Jahr 2008

Aug 28 2008

Nachrichten aus einer anderen Welt

Abgelegt von Konstantin Klein um 20:41 unter Inside the Beast

In einer Winternacht fing meine Welt an, sich zu drehen, zuerst langsam, dann immer schneller, schließlich völlig außer Kontrolle. Zum Glück hörte der Strudel nach einer halben Stunde wieder auf; zum Glück bestätigte sich die Diagnose des Notarztes dann doch nicht; und zum ganz großen Glück wiederholte sich die Sache auch nicht mehr.

Trotzdem ist die Welt seitdem nicht mehr die alte für mich. Der Alte (aka der Alte Zausel) bin stattdessen ich, mit dem neu erworbenen Bewusstsein, nur über endliche Ressourcen zu verfügen - und selbst endlich zu sein. Das Gefühl, ein junger Held und dementsprechend unverwundbar zu sein, ist jedenfalls durch den Shredder des Lebens gegangen; jetzt ist es Zeit für den Neuen Realismus.

Heute also zum ersten Mal nicht als Besucher in einem Kurort eingetroffen. Milder Zynismus über die schon Anwesenden will gar nicht erst aufkommen. Wir sitzen im selben Boot. Und die Nachricht an alle Nachgeborenen lautet: Es sind noch Plätze frei in diesem Boot.

Oder anders formuliert: Älter werden ist nicht nur eine Option.

Mal sehen, was ich in den nächsten Wochen interessant genug finden werde, um darüber zu schreiben. Vielleicht gar nichts. Aber das glaube ich eher nicht.

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Aug 26 2008

Paradigmenwechsel

Abgelegt von Konstantin Klein um 23:30 unter Reality Check, Tech Nation

Google-Kritiker, populär Guglhasser genannt, haben es ja schon immer gewusst: “Don’t be evil” ist so relativ wie die Struktur von Raum und Zeit. Aber dass G1, das erste kommerzielle, reale, anfassbare und vor allem benutzbare GoogleFon, jetzt ausgerechnet von T-Mobile vermarktet werden soll - das gibt schwer zu denken.

Haben etwas die Guglhasser recht? Ist Android, das Open-Source-Telefonbetriebssystem, das gegen Nokia (Symbian), Apple (iPhone), Microsoft (alle Windowsquatschen) antritt, eben doch nicht anders? Ist es - surprise! - auch nur ein Produkt aus der corporate world?

Oder - und das wäre ja noch viel revolutionärer - ist es doch anders, und der Rest der Funkwelt gleich mit dazu? Sollten etwa die T-Mobilisten, vom Rest der Welt unbemerkt, aufgewacht sein und ihren Sinn für Innovationen entdeckt haben (”Das Gips doch ganich!”)?? Zunächst das ApfelFon (Innovation in der Bedienoberfläche, Folge 1), dann das GuglFon (Innovation, Folge 2, und dann auch noch Open Source!)? T-Mobile als der Hotspot der Funkquatschenindustrie?

Kann donnich sein. Ich hasse Umdenkenmüssen.

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Aug 25 2008

Und noch ein Nachtrag…

Abgelegt von Konstantin Klein um 13:34 unter Reality Check

Nur ein paar Tage nach dem Crash von Madrid stürzt wieder ein Flugzeug kurz nach dem Start ab - und schafft es auf die hinteren Plätze der Nachrichtensendungen. Die Unterschiede:

  • Itek Air (obskure Regionallinie) ist nicht Spanair (vielbeschäftigter Urlaubscarrier)
  • 68 Tote sind nicht 154 Tote
  • Vermutlich waren keine Deutschen (oder auch nur Europäer) an Bord.

Und niemand redet darüber, dass die Boeing 737 ein altes und damit potentiell gefährliches Fluggerät sei. Brennpunkte sind auch nicht in Sicht. Aber vielleicht reicht ja auch ein spektakulärer Absturz, um unser wöchentliches Interesse an derartigen Katastrophen zu befriedigen.

Offenbar ist es für Redaktionen gerade bei Flugzeugunglücken schwer, den richtigen Weg zwischen Hysterie und Desinteresse zu finden.

Und damit ist es dann auch gut, was dieses Thema angeht.

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Aug 22 2008

Nachträge zu “Glimmpunkt”

Abgelegt von Konstantin Klein um 09:51 unter Reality Check

Wie zu erwarten war (es gibt eben doch noch zuverlässige Größen in dieser Welt), haut, vermutlich ohne den ARD-Brennpunkt gesehen zu haben, Patrick Smith, Verkehrspilot und Autor von “Ask the Pilot” in genau die gleiche Kerbe wie yours truly:

Details from the scene are sketchy, and it’s probably best, with the investigation barely out of the blocks, to go easy on the speculation.

Mal sehen, wer sich beim nächsten Mal dran hält.

Im gleichen Zusammenhang stellt sich mir angesichts der Folgeberichterstattung die (auch nicht mehr ganz neue und an dieser Stelle deshalb schon einmal gestellte) Frage, was an dem Umstand, dass fünf der bei dem Crash Umgekommenen einen bundesdeutschen Reisepass in der Tasche hatten, besonderen Nachrichten- bzw. - im konkreten Fall - Tagesschauwert hat.

Das meine ich jetzt weniger flapsig, als mir zuzutrauen wäre. Ich rätsele wirklich darüber, warum eine ohnehin erschütternde Katastrophe für Medienkonsumenten gleich viel erschütternder wird, wenn unter den Opfern auch Deutsche/Bayern/Menschen aus Pullach sind - auch wenn man diese Menschen ebensowenig kennt wie die Spanier oder Angehörige anderer Nationen, die ebenfalls ums Leben gekommen sind.

Das ist ein alter und von Redaktionen nicht nur der boulevardesken Art immer wieder ausgenutzter Umstand. Ich bekenne mich selbst schuldig, als Chef vom Dienst den Nachrichtenwert einer Katastrophenmeldung danach bemessen zu haben, ob Deutsche, wahlweise Amerikaner involviert waren.

Und dennoch verstehe ich nicht, warum “5 Deutsche tot” uns näher geht als “156 Fluggäste tot”. Ich verstehe es nicht.

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Aug 21 2008

Glimmpunkt

Abgelegt von Konstantin Klein um 00:10 unter Reality Check

Um 20:32 kam die Frage, warum ich denn nun so sauer sei. Ich musste zugeben, dass der gerade zu Ende gegangene ARD-Brennpunkt zum Flugzeugunglück in Madrid, genauer: die darin enthaltene Mischung aus Spekulation und Ahnungslosigkeit, mich zum Kochen gebracht hatte, so sehr, dass die eigentliche Tragödie in den Hintergrund gedrängt wurde.

Nun ist es - soviel weiß ich von dem Geschäft nun doch - nicht einfach, aktuelle Schwerpunktsendungen aus dem Redaktionsboden zu stampfen.

Aber selbst Anfänger in dem Beruf des Journalisten, der auch mein Beruf ist, sollten wissen (oder zumindest gesagt bekommen haben), dass es keinen Sinn hat, dass es sogar hochgradig fahrlässig ist, nur wenige Stunden nach einem Crash schon die Fragen beantworten zu wollen, auf die mit echten Experten besetzte Kommissionen erst nach Wochen oder Monaten, vielleicht sogar nie, eine halbwegs zutreffende Antwort finden.

Und es macht keinen, aber schon gar keinen Sinn, auf das Alter der Unglücksmaschine hinzuweisen (Hinweis: bei guter Wartung fliegen Verkehrsflugzeuge jahrzehntelang!) oder den safety record eines der meistverkauften Flugzeugtypen anzuzweifeln. Und auch Hinweise auf die schwierige wirtschaftliche Lage des carriers haben nicht mehr Erkenntniswert als jede andere Vorverurteilung.

So leid es mir tut: die einzige saubere Art, einen solchen Brennpunkt am Abend der Katastrophe zu machen, ist, sich auf die Fakten zu beschränken. Und seien sie noch so dürftig.

Disclosure: Habe in jüngeren Jahren den selben Fehler gemacht - und nicht nur einmal -, für eine spannendere Sendung über die dünne Faktenlage hinauszuspekulieren, und weiß deshalb, wovon ich rede. Aber egal.

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Aug 17 2008

Dasamawieda.

Abgelegt von Konstantin Klein um 22:31 unter Inside the Beast, On the Road

Steilküste bei Rerik, Mecklenburg-Vorpommern

Steilküste bei Rerik, Mecklenburg-Vorpommern

Welcome back, world! 14 Tage Offline-Dasein (mit der Ausnahme einer gelegentlichen Twitter-Hochladung) haben auch so ihre Berechtigung. Nämlich.

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Jul 31 2008

10 Gebote

Abgelegt von Konstantin Klein um 23:39 unter Net Life

“10 Gebote” kennt der Mensch des 21. Jahrhunderts ja vor allem von eBay-Angebotsseiten. Aber ab und zu wirds doch biblisch - wenn Nick O’Neill die 10 Gebote des Sozialen Netzes verkündet.

Und schon greife ich möglichen Ergebnissen der Publikumsfrage voraus und poste hier, was auch drüben gut untergebracht wäre. Egal, hier die Kurzform:

  1. Thou shalt enable sharing with everyone
  2. Thou shalt support all forms of media
  3. Thou shalt provide provide users with a face
  4. Thou shalt provide granular privacy settings
  5. Thou shall not overload users with email notifications
  6. Thou shalt provide a central request repository
  7. Thou shalt provide a central activity feed
  8. Thou shalt be absolutely transparent with users
  9. Thou shalt be a conduit for data, not the sole owner of data
  10. Thou shalt provide an API for others to access

Kommt doch gleich viel besser, so im Charlton-Heston-Englisch, näch?

Aber ernsthaft: Wenn der Mensch diese 10 Gebote eher als Checkliste denn als in Stein gemeißeltes Getöse auffasst, lassen sich die Guten unter den Sozialnetzen leichter von den Bösen unterscheiden.

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Jul 31 2008

Die Publikumsfrage

Abgelegt von Konstantin Klein um 23:21 unter Inside the Beast, Net Life

Interessant wird es jetzt schon allein deshalb, weil mir gar nicht klar ist, wer unter den fünf regelmäßigen Lesern schon im Urlaub ist und eine Publikumsfrage weder wahrnimmt noch gar beantwortet. Aber egal. Machen wir’s kurz, bitte anschnallen und das Rauchen einstellen, here we go:

Seit einigen Monaten findet unter der Überschrift bluelectric.org Parallelbloggen statt - hier auf die konventionelle Art, dort schnell, roh, collagenhaft, Eigeninput nahe Null, das Netz als Montage. Eigentlich viel reizvoller für einen, der mit Unterbrechungen seit dem letzten Jahrtausend bloggt (zumindest, wenn man der damals vehement verfochtenen These glaubt, das Jahrtausend begönne erst mit dem 01.01.2001 - aber das ist nun wirklich Schnee vom Januar 2001!). Offenbar aber erheblich reizloser für Leser - die Einschaltquoten bewegen sich nahe dem nicht messbaren Bereich, während hier der übliche Leserfluss vorbeikommt, (fast) egal ob sich was tut oder nicht. Wahrscheinlich alles enttäuschte Fehl-Googler. Egal.

Was mich wirklich beschäftigt, ist die Zersplitterung nicht nur der Diskussion im Netz (dank Friendfeed, Disqus und welchen Diensten, die sonst noch so um Nutzer betteln), sondern auch der eigenen “Marke”. Tumblelogs sind was anderes als Weblogs, auch wenn sie unter der gleichen Second Level Domain segeln. Und die dahinterstehende Leistung ist eher die eines Jägers und Gammlers Sammlers als die des klassischen Autoren - der ja hier, an dieser Stelle sein Wesen umtreibt.

Und was tut das Schicksal? Es schickt uns WordPress (habe ja nicht gesagt, dass es ein gnädiges Schicksal ist), wahrscheinlich bald auch andere Blog-CMSe, mit eingebauter nachgebauter Tumblr-Funktion. Und die Versuchung ist groß, Autorenschaft und Collagentum wieder auf einer Seite zu vermischen.

Womit wir wieder im Jahr 2006 (ungefähr) angekommen wären, als ich schon mal Kürzestpostings mit langen Riemen auf einer Seite vermischte.

Nee, noch halte ich die Trennung aufrecht. Aber die Meinung der nicht im Urlaub befindlichen Stammleser und auch des einen oder anderen enttäuschten Googlers zu diesem Thema interessiertetete mich schon.

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Jul 26 2008

Frage mich ernsthaft…

Abgelegt von Konstantin Klein um 09:45 unter Inside the Beast

…welchem Eintrag auf diesen goldenen Seiten ich die ganzen Google-Anzeigen zu Darmpilzen, Darmerkrankungen und Darmspülungen zu verdanken habe.

Und ja, ich weiß, dass die Anzeigen auf diese Art ganz bestimmt nicht weg gehen.

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Jul 25 2008

Meanwhile, back home…

Abgelegt von Konstantin Klein um 00:38 unter Politics R Us, Reality Check

Komme ich also nach fünf Tagen im Ausland Rheinland nach Hause (nein, keine saftigen Verschwörungsgeschichten von der Mehdorn Armee Fraktion Allstar Band heute!) und sehe, dass seit heute mittag an die 300 Geschichten im Guglrieder aufgelaufen sind. Und ungefähr 297 davon beschäftigen sich mit einem US-Provinzpolitiker, der was werden will, oder mit einem Gesundheitsberater, der (zumindest bei der ARD) nichts mehr werden wird.

Zu 1. - Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, aber Barack Obama ist noch nicht gewählt (jedenfalls nicht zum Präsidenten der US of A), und seine Wahl ist durchaus noch nicht sicher. Es hat schon mal einer gegen einen Toten verloren (der Republikaner John Ashcroft bei der Abgeordnetenhauswahl 2000 gegen einen Demokraten, der im Wahlkampf mit dem Flugzeug abgestürzt war - Ashcroft wurde dann zum Trost Justizminister im Hause Bush); da ist es auch möglich, dass ein junger Charismatiker gegen einen alten Sack verliert.

Zu 2. - Ja und?

Aber vielleicht unterschätze ich sowohl meine Wahl-Landsleute wie auch das Gewicht des nächsten ARD-Schleichwerbeskandals. Obwohl ich das um diese Uhrzeit so gar nicht glauben mag.

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