Mrz 21 2008
Elvis has Left the Building…
…und die Conversation has Left the Blogosphere, schreibt Sarah Perez in ReadWriteWeb und meint damit, dass Zweinull-Lifestreams wie FriendFeed, auch hier im Einsatz seit einem knappen Monat, der Blogosphere (das ist international für Klein-Bloggersdorf!) den Gesprächsstoff wegnehmen.
People still comment, but in a lot of cases, those comments aren’t on found on the blog itself. So the question is, has the conversation become diluted among all the different services and applications? Or is it just adding layers to the original topic? And most importantly, how can you keep up?
Die Antwort auf die letzte Frage gab Josh Catone an gleicher Stelle schon am 29. Februar: 35 Ways to Stream Your Life sollten eigentlich ausreichen.
Im thematisch schon festgelegten Lifestream Blog wird man noch deutlicher:
These services are increasing our distractions and thus reducing the time we spend commenting on blog posts. It’s so much easier to quip on bits of data with your friends as a captive audience while still adding your voice to the stream.
Bleibt die Frage, die schon den einen oder anderen - zum Glück nicht wirklich - ans Aufhören denken lässt: Werden die Lifestreams das Leben aus Klein-Bloggersdorf abziehen? Werden Blogschreiber künftig (wieder…) alleine vor sich hinbrabbeln, während ihre Leser sich in den nächsten Kneipe treffen und drüber reden?
Durchaus möglich, meine ich - jedenfalls wenn sich in Klein.Bloggersdorf (ab sofort nur noch echt mit dem Idiotenpunkt an der Stelle des Bindestriches - was so ein Tippfehler alles bewirkt…) selbst nichts ändert.
Genau das ist, was ich vor einigen Tagen unter einer suchmaschinenoptimierten Überschrift gemeint habe: Die (zumindest hier) vergeblich betriebene Suche nach The Next Big Thing nach den Weblogs ist längst zu Ende. Jetzt geht es darum, die ungewaschenen Massen nicht etwa vom Weiterziehen zur nächsten Laberstelle abzuhalten, sondern das, was sich dort tut, in der einen oder anderen Art wieder in das eigene Weblog einzubinden, um das Medium Weblog nicht bedeutungslos werden zu lassen. Die auch lange - übrigens auch von mir - angefeindeten Trackbacks boten genau diese Möglichkeit, als die Diskussion weg vom eigenen Weblog hin zu einem anderen wanderte. Jetzt brauchen wir etwas Ähnliches, um die Conversation in der Blogosphere zu halten, selbst wenn sie schon anderswo stattfindet.
RSS scheint mir übrigens als Basis dafür ganz gut geeignet zu sein.
Was wir derzeit beobachten, bzw. woran wir derzeit teilhaben, ist The Next Big Thing. Die Online-Gesellschaft fragmentiert sich und vernetzt sich gleichzeitig in einer nicht gekannten Weise. Wer mit dabei ist, konfektioniert sich seine Aufmerksamkeit im Netz neu; jeder schafft seine eigene Umgebung: das Netz als Sammlung privater Mikrokosmen. Und Weblogs, sofern sie vernetzt sind bzw werden, spielen darin natürlich eine Rolle als einer von vielen Kanälen zur Selbst-Äußerung. Wer jetzt noch über Weblogs vs. Old Media nachdenkt, hat ein überholtes Bild von Weblogs und packt sie somit in die selbe Kategorie wie die oft und gerne kritisierten Old media.
Zum Schluss, weil auch das Wetter so grausig ist, noch ein Verweis auf die Gedanken eines pessimistischen Beobachters, der uns alle schon vor dem Attention Crash sieht:
We are reaching a point where the number of inputs we have as individuals is beginning to exceed what we are capable as humans of managing. The demands for our attention are becoming so great, and the problem so widespread, that it will cause people to crash and curtail these drains. Human attention does not obey Moore’s Law.
Ich sag’s ja: Am Ende schafft sich jeder sein privates Universum.
Blogged with the Flock Browser
Tags: Weblogs, Social Networks, Lifestreaming, Blogosphere
6 Kommentare zu “Elvis has Left the Building…”


Selbstverständlich denke ich nicht wirklich ans Aufhören.
Aber: wenn ich an die ruhigen Zeiten von damals™ denke, werde ich bei der derzeitigen Entwicklung richtig nostalgisch
Richtig: Gegen das, was sich im Augenblick tut, waren die guten alten Zeiten™ schon sehr geruhsam. Man bastelte wochenlang an eigenen Layouts, begrüßte noch jeden Neuankömmling mit Handschlag, stritt sich über Linkdichten, Kommentaranmeldungen und ähnlichen Kokolores…
Bloß gut, dass das vorbei ist (mehr oder weniger - Ausnahmen bestätigen die Regel)!
Nun lass aber nur mal die Bubble 2.0 platzen - dann stehen wir da ohne unsere Lifestreams und können, dürfen, müssen sie selber basteln.
“Nun lass aber nur mal die Bubble 2.0 platzen” - das ist genau der Punkt. Einer davon jedenfalls.
Denn der Unterschied zwischen der “Blogosphäre” und den sogenannten Web-2.0-Diensten, Communities, Livestreams (und wie das alles heißt), ist ein struktureller und keiner der gerade aktuellen Mode:
Wenn die Geschäftsmodelle - und die letztgenannten sind allesamt Geschäftsmodelle - nicht mehr die erwarteten Renditen abwerfen, werden die Dienste verschwinden und durch neue Dienste ersetzt. Die Geschäftsmodell-Karawane zieht weiter.
Die Bloggerei dagegen ist m.E. ja kaum ein Geschäftsmodell, denn dazu braucht es keine Community-Plattform, die letztlich nur deswegen betrieben wird, weil jemand mittelbar oder unmittelbar Geld damit verdienen will/kann.
Dazu (noch ein wesentlicher struktureller Unterschied) sind die ganzen Webzwonull-Dinger ja hermetisch, d.h. abgeschlossene Einheiten mit proprietärer Mitgliedschaft, und die Kunde davon und die Unterhaltungen darüber finden — in der Blogosphäre statt. Wie erstaunlich.
Interessanterweise findet die Kunde von und Unterhaltung über die Blogospäre nicht primär, sondern lediglich trittbrettig, in den davon unabhängigen und unbefleckten “alten” Medien (Holz und Äther) statt.
Aber das geht schon über Ostern, Eier und Hasen hinaus …
Ich warte nicht wirklich auf das Platzen der Bubble 2.0, obwohl ein kluger Mensch heute getwittert hat, dass die Wiederholungen von Idiotien beim zweiten Mal kein anderes Ergebnis erbringen als beim ersten.
Was ich erwarte, ist im Grunde das gleiche, das uns schon beim Erfinden der Weblogs passiert ist: Zunächst bieten ein paar Ideenreiche proprietäre Lösungen an, die mehr oder weniger Geld kosten (wer erinnert sich noch an das kostenpflichtige Radio Userland - ich meine: wer außer dem Schockwellenreiter?) und machen sowohl die Software wie auch die Idee damit populär (letztere kostenfrei auf den berühmten editthispage.com-Seiten) in der Hoffnung, damit richtig viel Schotter zu machen.
Und dann greift die Gemeinde die Idee auf und schreibt andere, bessere, freie Tools, und keiner redet mehr von den Anfängen (wieder: mit Ausnahme des Schockwellenreiters…).
Ich bin mir sicher, dass auch ohne platzende Blasen eine communitybasierte Lösung für alles Zweinullige kommen wird, von so alten Dingern wie flickr bis hin zu den diversen Lifestreams.
Und weil wir ja eh nichts anderes zu tun haben, können wir das auch ganz gelassen abwarten.
Wobei es solche Überlegungen ja z.B. in Sachen Flickr schon letztens einmal gegeben hat: Als Flickr wg. Yahoo mal kurz als “böse” erkannt war und fast alle (na ja, waren es 0.001%?) ihm den Rücken gekehrt haben. Da hatte doch einer die Idee (äh, der Schockwellenreiter?), sowas als Community-Plattform aufzuziehen.
Aber ganz schnell haben sich alle wieder umgedreht und Flickr war wieder “gut” und heute redet keiner mehr davon. Das wäre wohl auch zuviel Arbeit.
Die Frage ist aber, und sie stellte sich ja schnell bei dieser Flickr-Geschichte, wie man rein community-driven eine solche Plattform aufziehen sollte? Wer investiert die paar Millionen Euronen für die Serverplattform?
Die Blogosphäre hat ja den Vorteil, und den Antrieb, dass sie nicht auf einer Plattform, sondern auf dem partikularen Engagement jedes einzelnen Bloggers beruht.
Was die Communities angeht, müssen wir also tatsächlich abwarten (mindestens bis nach Ostern), was sich an Umformungen entwickelt, wenn die Zweinull-Blase geplatzt ist.
Bis dahin aber mal schöne Feiertage …
@Boris: Der Schockwellenreiter hält immer noch an der Idee fest, auch wenn die Realisierung komplexer und komplizierter ist, als er ursprünglich angenommen hatte.