Jun 24 2008

Gewissensfrage

Abgelegt von Konstantin Klein um 00:50 unter Reality Check

Liebe Leserinnen und Leser,

im Grunde können Sie die folgenden Zeilen gerade mal ignorieren. Für Sie wäre es gewonnene Zeit, und für mich wäre es weniger peinlich, weil dann nicht ganz so offensichtlich würde, auf welch hohem Niveau hier gejammert wird.

Noch da? Na gut, anschnallen und das Rauchen einstellen, here we go:

Das iPhone mal wieder. Nach allem, was wir wissen, eine Geldschneidemaschine erster Sorte, ein Leifschteil-Accessoire, ein must-have und gerade deshalb etwas, das man als bewusster Verbraucher aus vollem Herzen bäh findet.

Disclaimer, zwischendurch und zur Erholung: Schreiber dieses wohnt in einem Haushalt mit fünf Mac und ebensovielen iPods verschiedener Machart, verteilt auf drei Personen (das Katz muss ohne Mac und iPod auskommen). Schreiber dieses ist also durchaus anfällig für Produkte des Hauses Apple und auch bereit, dafür Geld auszugeben. Diese Bereitschaft erstreckt sich aber nicht soweit, dass ich mich für alles übern Tisch ziehen ließe.

Beweis: Sowohl in Sachen Festnetz wie auch beim Mobilgequatsche bevorzuge ich reichlich unglamouröse Billiganbieter und bin - im Gegensatz zu vielen anderen - mit beiden Anbietern, ihren Tarifen und Angeboten sehr zufrieden.

Must-haves gibts also nicht. Stattdessen liegt neben mir ein auch nicht ganz billiges Jesus-Phone der finnischen Machart, mit erstaunlich guter Kamera, guter UMTS/Bluetooth-Modemfunktion für unterwegs und sonst so ziemlich allem, was das iPhone auch hat, minus glamour, minus usability. In diesen Fächern macht keiner dem iPhone was vor. Sisso.

Tscha. Sprechen also schon drei Argumente gegen eine Anschaffung: Die Geldschneiderei. Das bereits angeschaffte teure Ersatzhandy (allerdings bei weitem nicht so teuer wie das iPhone plus die Zusatzkosten durch vorzeitigen Vertrags- bzw. Anbieterwechsel). Und der schon grundsätzlich unsympathische, im Lichte jüngerer Ereignisse jedoch völlig indiskutabel gewordene Dienstanbieter; ich meine, grundsätzliches Misstrauen gegenüber Datensammlern ist das eine, aber ein so offensichtlich skrupelloser Umgang mit Daten, die, als ich das letzte Mal nachguckte, noch unter dem Schutz des Grundgesetzes (!) standen, ist das andere.

Dafür spricht, dass das iPhone wohl wirklich den Standard für Mobiltelefone der Zukunft setzt.

Reicht aber angesichts der Gegenargumente nicht aus. Ergo: Sehnsüchtiges Jammern auf hohem Niveau. Vergessen wirs. Weiter im ausgedruckten Programm.

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2 Kommentare zu “Gewissensfrage”

  1. Boris am 24. Juni 2008 um 08:51

    Tscha, die Melodey des Rattenfängers klingt so schön, es zieht einen einfach so mit, ihm zu folgen …

    Denke ich mir, wenn ich, wie hier, solches so oft lese in den letzten Wochen.

    Ich hab’s da doch so viel einfacher: Mich interessiert dieses Ding einfach absolut überhaupt nicht, wie mich auch die anderen Produkte aus diesem Hause nicht interessieren.

  2. Konstantin am 24. Juni 2008 um 13:19

    Vor einiger Zeit hätte ich dem noch voll und ganz zugestimmt - als ich Handies nämlich noch für Telefone hielt. Mit günstigen oder flatten Datentarifen und mit entsprechender Gerätschaft ändert sich das aber mehr und mehr - ich erwische mich inzwischen dabei, das Handy viel öfter in der Hand als ans Ohr zu halten, wenn ich es benutze: SMSen mit der Liebsten, E-Mail mit der ganzen Welt, Tweets, sogar ein bißchen WWW (soweit der Symbian-eigene Gruselbrowser mir nicht die Laune versaut) - alles findet mit meinem Nokia statt.

    Und all das kann ein iPhone noch einen kleinen Zacken besser - mit Ausnahme der Kamera, die beim iPhone nur mittelprächtig ist.

    So gesehen, steht das iPhone schon für einen Paradigmenwechsel, weg von der Telefonie, hin zum mobilen Netzanschluss. Den hat Apple zwar nicht erfunden, aber bisher besser umgesetzt als alle anderen.

    Wo Apple noch dazulernen muss: die Auswahl der Netzpartner. Mit AT&T in den USA sind die wenigsten zufrieden, und was die Telekom angeht, habe ich ja oben schon genug gesagt. Netzpartner müssen aber sein, um das iPhone in seiner ganzen Glorie zu nutzen (weil Apple den Dienstanbietern die eigene, teure Hardware unterjubelt).

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