Wie zu erwarten war (es gibt eben doch noch zuverlässige Größen in dieser Welt), haut, vermutlich ohne den ARD-Brennpunkt gesehen zu haben, Patrick Smith, Verkehrspilot und Autor von “Ask the Pilot” in genau die gleiche Kerbe wie yours truly:
Details from the scene are sketchy, and it’s probably best, with the investigation barely out of the blocks, to go easy on the speculation.
Mal sehen, wer sich beim nächsten Mal dran hält.
Im gleichen Zusammenhang stellt sich mir angesichts der Folgeberichterstattung die (auch nicht mehr ganz neue und an dieser Stelle deshalb schon einmal gestellte) Frage, was an dem Umstand, dass fünf der bei dem Crash Umgekommenen einen bundesdeutschen Reisepass in der Tasche hatten, besonderen Nachrichten- bzw. - im konkreten Fall - Tagesschauwert hat.
Das meine ich jetzt weniger flapsig, als mir zuzutrauen wäre. Ich rätsele wirklich darüber, warum eine ohnehin erschütternde Katastrophe für Medienkonsumenten gleich viel erschütternder wird, wenn unter den Opfern auch Deutsche/Bayern/Menschen aus Pullach sind - auch wenn man diese Menschen ebensowenig kennt wie die Spanier oder Angehörige anderer Nationen, die ebenfalls ums Leben gekommen sind.
Das ist ein alter und von Redaktionen nicht nur der boulevardesken Art immer wieder ausgenutzter Umstand. Ich bekenne mich selbst schuldig, als Chef vom Dienst den Nachrichtenwert einer Katastrophenmeldung danach bemessen zu haben, ob Deutsche, wahlweise Amerikaner involviert waren.
Und dennoch verstehe ich nicht, warum “5 Deutsche tot” uns näher geht als “156 Fluggäste tot”. Ich verstehe es nicht.


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Versuch einer Herausarbeitung des Unterschieds:
(1) “Bei dem Unglück kamen keine Deutschen ums Leben” = Puh, alle Freunde, Verwandte und Bekannte (deutscher Nationalität) in Sicherheit.
(2) “Unter den Opfern befinden sich vermutlich auch fünf Deutsche” = Oh, wer von meinen Freunden, Bekannten, Verwandten könnte gerade in Y sein? Uh, die X, wollte die nicht nach Y? Hoffentlich geht es der gut!
Wenn man es statistisch untersuchen wollte, müsste man schauen, ob Leute mit internationalem Familien-/Freundes-/Bekanntenkreis bei Nachricht (1) weniger beruhigt sind als Leute mit einem deutschen Bekanntenkreis.
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Bingo. So rasch erledigen sich (wahrscheinlich) Blogeinträge. Möglicherweise ist es tatsächlich mein eher international geprägter Bekanntenkreis, der mich bei den Nachrichten von den 5 deutschen Opfern mit den Schultern zucken lässt.
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Ich finde die aufatmende Mitteilung wenn keine Deutschen betroffen sind, klingt oft so nach “wir sind raus aus der Nummer, nach uns die Sintflut, das Thema sehen wir erst in der Wochenzusammenfassung wieder” und das beschämt mich immer ein bißchen.
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Da wir mit Sensationen aller Art täglich dutzendfach konfrontiert werden brauchen wir irgendeine Besonderheit zur Wahrnehmung. Da bleibt die Erwähnung der eigenen Nationalität. Bei Journalisten mag das nicht mehr funktionieren. Wir Fußvolk kommen erst auf diesen höheren Stand der Informationsüberflutung, sind noch auf dem Weg, mehr oder weniger.
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Ist denn ein Reisepass (und die damit einhergehende Staatsbürgerschaft) besser zur Identitätsstiftung geeignet als andere Eigenschaften? Gibt es deshalb keine Schlagzeilen wie “Flugzeug abgestürzt - fünf Glatzköpfe unter den Opfern”, “Massenkarambolage im Nebel - zwei Pfeifenraucher tot” oder “Lawine reißt sieben FDP-Wähler in den Tod”?
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Anscheinend ist es so. Ich habe überlegt welche von Dir genannte Gruppe mich noch anspräche: vielleicht die FDP-Wähler, denn von denen gibt es ja nicht so viele, dass die Partei sich so einen Verlust leisten könnte.